Full text : Über asiatische Wechselkurse

45

ihre  historische  Rolle  weiter  zu  führen.  Im  übrigen  ist  der
Zu-  und  Abfluß  des  Silbers  in  Indien  nicht  mehr  Ausdruck
der  Zahlungsbilanz,  sondern  wird  von  anderen  Gründen  bedingt, ­
  Daran  ändert  auch  nichts  der  Umstand,  daß  die
Indier  Silberbarren  nicht  nur  zu  Ornamenten  und  sonstigem
Schmuck  verwenden,  sondern  auch  zur  Vermögensanlage
benutzen,  denn  die  umgekehrte  Transaktion  der  Umwandlung ­
  der  Barren  in  Geld  stellt  sich  nur  noch  als  Verkauf  von
Metallmengen  dar.  Im  Verkehr  mit  dem  Silberlande  China
ist  die  Sache  etwas  anderes,  ohne  jedoch  das  Bild  grundsätzlich ­
  zu  ändern,  denn  auch  England  z,  B.  verschifft  Silber ­
  nach  China,  ohne  daß  man  diesen  Export  anders  als
eine  Warentransaktion  ansieht.
Über  Art  und  Umfang  des  indischen  Silberbedarfs  und
die  sogenannte  Thesaurierung  läßt  sich  ein  Berichtdes
Handelssachverständigen  beim  Generalkonsulat  Bombay
näher  aus;  „Den  Gegenwert,  welchen  der  Bauer  für  seine
Landesprodukte  in  klingender  Münze  sich  auszahlen  läßt,
benutzt  er  nicht  etwa  zur  Verbesserung  seiner  Lebenshaltung, ­
  wie  z,  B,  für  den  Bau  einer  besseren  Hütte,  zur  Anschaffung ­
  besserer  Kleidungsstücke  etc.  oder  noch  viel  weniger ­
  zur  Verzinsung  durch  Anlage  in  Sparkassen  und  dergleichen, ­
  sondern  er  behält  im  allgemeinen  das  Geld  in  Münzen ­
  bei  sich  oder  behängt  damit  in  Gestalt  von  Schmucksachen ­
  seine  Frau  und  seine  Kinder,  Der  bislang  dem  Handel ­
  auf  diese  Weise  entzogene  Wert  ist  verschiedentlich  auf
300  Millionen  Pfund  geschätzt  worden.  Man  behauptet  sogar, ­
  daß  die  jährlich  dem  Verkehr  entnommenen  Summen
sich  auf  11  Millionen  Pfund  belaufen  sollen.  Dieser  Betrag
dürfte  in  früheren  Jahren,  als  die  Zustände  des  Landes
noch  unsicherer  waren,  erreicht  worden  sein,  doch  ist  kaum
anzunehmen,  daß  derartige  Summen  noch  jetzt  sozusagen
vergraben  und  versteckt  werden,  und  viele  Zeichen  sprechen
dafür,  daß  auch  der  indische  Sparer  sich  immer  mehr  dazu
versteht,  seinen  Reichtum  in  den  Postsparkassen  zu  hinterlegen ­
  oder  auch  in  guten  mündelsicheren  Papieren,  auch
selbst  in  Industriebetrieben  wie  z,  B,  Baumwollfaktoreien,
Kohlenzechen  usw,  zur  Verzinsung  anzulegen.  Fernerhin

1)  Deutsches  Handelsarchiv,  1909,  II,  Teil,  Seite  303.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.