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Wirkung der Zinsdifferenz auf den Wechselkurs *). Daß das
Jahr 1907 sich in diesem Sinne als Ausnahme darstellt,
spricht ebenfalls für die Annahme, denn 1907 stand überall
die Gestaltung der Geldverhältnisse weitaus im Vorder
gründe. Im übrigen darf man aus der geringen Parallelität
von Wechselkurs und Zinsdifferenz folgern, daß für Indien
der Außenhandel hauptsächlich den Wechselkurs bestimmt
und die Gestaltung der Zinsverhältnisse an Bedeutung zu
rücktritt. Das paßt zu dem agrarischen Charakter des Lan
des, zu seiner Handelsorganisation und zu den drüben als
üblich angesehenen Schwankungen des Wechselkurses. Man
berichtet hierüber: „Die hiesigen Wechselkurse auf Europa
zeigen meist periodische Schwankungen; dieselben sind ge
wöhnlich, d. h, in normalen Jahren, Dezember-Februar,
wenn die große Burma-Reisernte und die Baumwollernte in
den westlichen Provinzen in vollem Schwünge sind, am
höchsten, schwächen sich im März-April, wenn diese Ernten
vorüber sind, meist etwas ab, steigen Ende April-Juni wie
der, wenn der Export in Saaten und Weizen stattfindet,
erreichen im Juli und Anfang August, da dann in fast ganz
Indien das Exportgeschäft ruht, ihr niedrigstes Niveau und
steigen Mitte August wieder aus Anlaß der Jutesaison.‘‘
Da sich diese Schwankungen ebenfalls aus den Dia
grammen ablesen lassen, ist man berechtigt, auch für prak
tisch-geschäftliche Zwecke mit ihnen zu rechnen. Von dem
Einfluß der Diskontsätze ist zu behalten, daß vielfach die
Diskontänderungen der Bank von Bengalen den Wechsel
kurs mit sich ziehen, während die Londoner Änderungen in
der Regel wirkungslos bleiben, und daß zudem teurer Geld
stand in Europa mit starker Geldnachfrage in Indien und
umgekehrt auch die Zeiten des leichtesten Geldstandes
hüben und drüben zusammen fallen.
1) Herr Professor W a 1 b, Cöln, weist mich darauf hin, daß bei
diesen Verhältnissen die Anlagemöglichkeiten für ausländisches Kapi
tal besonders zu beachten sind; es fehle hier die Einrichtung der
Privatdiskonten.