Full text: Gleichberechtigung von Kapital und Arbeit

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schlagen werden sollten, im Gegenteil würden sie nach meinem 
Wirtschaftssystem die Aufgabe erhalten, die gesamten Arbeits 
aktienbesitzer zu umfassen, was, wie man nicht bestreiten 
kann, eine außerordentliche Stärkung ihrer Macht bedeuten würde 
und wozu die Grundbedingungen in den gemeinsamen Interessen 
aller Arbeit geschaffen würden. Die Gewerkschaften haben auch 
bereits ihre grundsätzliche Stellung gegen eine Gewinnbeteiligung 
der Arbeit an dem Ertrage wirtschaftlicher Unternehmungen auf 
gegeben und erblicken in der Gewinnbeteiligung der Arbeiter bereits 
die Entwicklung eines konstitutionellen Arbeitssystems zur Förde 
rung der Gemeinwirtschaft und zur Steigerung der Arbeits 
leistungen, deren Notwendigkeit auch sie bei der gegenwärtigen 
Zwangslage der deutschen Wirtschaft anerkennen mußten. 
Im Korrespondenzblatt des Allgemeinen Deutschen Gewerk 
schaftsbundes (31. Jahrgang Nr. 13) setzt sich Dr. Striemer in 
einer Polemik gegen die Kritik des Geheimrats Deutsch an meinem 
Vorschlag mit diesem auseinander. Da ich die Auflösung des Kapi 
tals und seine Schwächung im Wirtschaftsleben nicht für erstrebens 
wert halte, weil dadurch eine im Produktionsprozeß wesentlich 
wirkende Kraft zerstört werden würde, scheint mir der Gegensatz 
hinfällig, der den Kernpunkt der Polemik bildet, nämlich die Ver 
schiebung der Kaufkraft, dem Kapital entzogen, der Arbeiter 
schaft zugewendet. Die wünschenswerte Erhöhung der Kauf 
kraft der Arbeiter wird in meiner Wirtschaftsform ohne Zer 
störung der kapitalistischen Akkumulation erreicht und 
scheint mir aus diesem Grunde das gesündere Mittel zu sein. Der 
Widerspruch der Sozialisten richtet sich gegen die Gleichberech 
tigung von Kapital und Arbeit. Die Sozialisten verlangen nur eine 
Vergütung für reale Leistungen sowohl des Kapitals wie der Arbeit 
nach dem Grade der beiderseitigen Mitwirkung. Das scheint mir 
aber kein Gegensatz zu sein, denn tatsächlich ist die Gleichberech 
tigung von Kapital und Arbeit nichts anderes, als daß jeder in 
der Wirtschaft tätigen Kraft entsprechend ihrem Einsätze an realen 
Werten das Ertragsrecht zugebilligt wird. Die Abschätzung des 
Risikos ist eine so zweifelhafte Sache, daß ich ihre Schäden für 
außerordentlich viel größer halten muß als den Ausgleich, den 
eine Festlegung überhaupt schaffen kann. Ich muß auch darin 
dem Sozialisten widersprechen, wenn er unlautere Spekulation für 
die Produktivität des Kapitals verallgemeinert und den Haß, den 
die Arbeiterschaft gegen die kapitalistischen Dividenden angeblich 
haben soll, als Grundlage für eine neue Wirtschaft benutzen will.
	        
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