Full text : Gleichberechtigung von Kapital und Arbeit

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Muß  man  denn  immer  auf  das  berühmte  Gleichnis  von  Menenius
Agrippa  über  den  Streik  der  Glieder  gegen  den  Magen  zurückgreifen,
um  der  Arbeit  sowohl  wie  dem  Kapital  vor  Augen  zu  führen,  wie
sehr  beide  aufeinander  angewiesen  sind  und  wie  schwer  sie  einander ­
  und  sich  selbst  durch  gegenseitigen  Kampf  schädigen  ?
Arbeit  ist  im  Produktionsprozeß  ohne  Kapital  ebenso  unfruchtbar ­
  wie  Kapital  ohne  Arbeit.  Da  heißt  es,  eine  Basis  zum  Zusammenwirken ­
  finden,  aber  nicht  eine  Basis  zum  gegenseitigen
Kampf,  und  wenn  der  Sozialismus  das  Kapital  als  ursprünglich
vorausgetane  Arbeit  anerkennt,  so  sollte  er  die  Folgerung  ziehen,
daß  auch  gegenwärtig  die  Arbeit  Kapital  für  die  Zukunft  bildet,
das  nach  meinem  Wirtschaftssystem,  wie  es  sich  gerechterweise
entwickeln  muß,  künftig  auf  Kapital  und  Arbeit  verteilt  wird.
Ich  sehe  bei  beiderseitigem  guten  Willen  keine  Unmöglichkeit  in
der  Überbrückung  der  gegenseitigen  Interessen.  Der  Aufstieg
der  Arbeiterschaft  aus  dem  Dienstverhältnis  zu  einem  Genossenschaftsverhältnis ­
  scheint  mir  der  gegebene  Weg,  auf
dem  die  Interessen  zusammengeführt  werden  können  und,  in  gleiche
Richtung  gebracht,  die  Entwicklung  der  Wirtschaft  in  sich  enthalten. ­

Wie  glaubt  man  auch  sich  gegen  diese  Entwicklung,  die  doch  von
selbst  gegeben  ist,  und  sich  mit  elementarer  Kraft  durchringt,  auf
die  Dauer  widersetzen  zu  können.  Die  Gewinnbeteiligung  des
arbeitenden  Menschen  ist  nicht  mehr  aufzuhalten,  seitdem  praktische ­
  Versuche  zu  Erfolgen  geführt  haben,  und  für  sie  ist  auch
bereits  in  der  Gewinnbeteiligung  der  englischen  Bergarbeiter ­
  an  den  Erträgen  der  Industrie  ein  unmittelbares  Vorbild ­
  gegeben,  nur  daß  das  Schema  der  englischen  Gewinnbeteiligung
auf  Grund  eines  festen  Zahlenverhältnisses  und  nur  für  einen
Industriezweig,  den  Bergbau,  durchgeführt  ist.  Das  Prinzip  hat
indessen  gesiegt,  nicht  als  Polge  einer  Arbeiterforderung,  sondern
einer  weisen  Voraussicht  der  englischen  Regierung,  die  dem  englischen ­
  Wirtschaftsfrieden  reiche  Früchte  tragen  wird.  Schematisch ­
  eingesetzte  Zahlen  können  indessen  nienals  der  Ausdruck
eines  vollkommenen  und  einheitlichen  Wirtschaftssystems  werden,
und  dieses  Moment  hat  dazu  geführt,  daß  die  bisherigen  Ansätze
zur  Lösung  in  Deutschland  sich  nicht  in  wünschenswerter  Weise
entwickelt  haben.  Sehr  mit  Recht  hat  Abbe,  der  Begründer  der
Zeiß-Stiftung  in  Jena,  erklärt,  daß  eine  Verbesserung  der  Lage  des
abhängigen  Arbeiters  ohne  den  gleichzeitigen  Versuch  einer  Hebung
seiner  Rechtslage  nur  eine  täuschende  Dekoration  ist.  Durch
            
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