Full text: Übervölkertes Land

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Die Malthuslehre 
bestehe. Das ist aber in vielfacher Beziehung zweifellos der Fall. 
Eine verhältnismäßig dichte Bevölkerung ist die Voraussetzung 
für den Ausbau moderner Verkehrswege: Kanäle, Eisenbahnen usw., 
wodurch vielfach erst die Nutzbarmachung der Ernten von neuen 
Gebieten für die Unterhaltsmittel der Kulturmenschheit ermöo-- 
*■- hi 
licht wird. Eine verhältnismäßig dichte Bevölkerung ist ebenso 
die Voraussetzung für den Ausbau der großen technischen Hilfs 
mittel, die es ermöglichen, altem Kulturboden die in der Ernte 
herausgenommenen Nährstoffe zu ersetzen. Die von der Natur 
gegebenen Vorbedingungen zu einem derartigen »verbesserten 
Kultursystem* aber erscheinen heute als praktisch unerschöpf 
lich. Damaschke übergeht nun auf die Möglichkeit der ausge 
dehnten Anwendung künstlicher Düngung (Kali, Phosphate, Stick 
stoff) und meint daher, daß eine Abnahme der Ertragsfähigkeit 
des Bodens aus Mangel an Verbesserungsstoffen ausgeschlossen 
erscheine. »Mehr als alle Theorie«, sagt er weiter, »wiegt hier 
ein Wort der Praxis. Professor Delbrück hat als Rektor der 
Berliner Landwirtschaftlichen Hochschule im Jahre 1900 eine 
vielbeachtete Rede gehalten. Er wies darauf hin, daß sich die 
Bevölkerung auf dem Gebiete des Deutschen Reiches im 19. Jahr 
hundert etwas mehr als verdoppelt, das Ergebnis der landwirt 
schaftlichen Produktion in der gleichen Zeit aber verfünffacht 
habe. Die Ernte an Körnerfrüchten habe sich verdoppelt. Der 
Ertrag des Kartoffel- und Zuckerrübenanbaues, der noch im 
18. Jahrhundert begonnen wurde, ist ein ausschließlicher Erfolg 
des 19. Jahrhunderts. Er gibt heute die gleiche Summe Nähr 
stoff wie der Getreidebau. Demnach sei die landwirtschaftliche 
Produktion im Pflanzenbau wesentlich stärker gestiegen als die 
Vermehrung der Bevölkerung. Wenn trotzdem Deutschland heute 
kein Getreide mehr ausführe wie früher, so liege der Grund 
darin, daß ein großer Teil der Produkte der Landwirtschaft für 
technische und industrielle Zwecke Verwendung finde. 
Ähnlich große Erfolge sind auf dem Gebiete der Tierpro 
duktion 2u verzeichnen. Der Pferdestand hat sich in Preußen 
von i-5 Millionen auf 32 Millionen, der Rindviehstand von 5'3 
Millionen auf 12’2 Millionen, der Schweinebestäiid von 2 Millionen 
auf 18 Millionen gehoben. Der Schafstand ist allerdings znrück- 
gegangen. Alles zusammengenommen und auf Haupt-Großvieh
	        
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