Full text : Der Zucker im Kriege

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Wenn  von  der  einen  Seite  für  das  Ausfuhrverbot  und  seine
strenge  Durchführung  die  Notwendigkeit  der  Erhaltung  der  gesamten
inländischen  Erzeugung  für  den  Jnlandsverbrauch  und  der  Fernhaltung ­
  jeglicher  Nahrungsmittelzufuhr  an  unsere  Feinde  geltend
gemacht  wurde,  so  wurde  von  der  anderen  Seite  aus  die  durch  die
Übcrerzeugung  drohende  Entwertung  des  Zuckers  und  die  damit  verbundene ­
  Erschütterung  der  Grundlage  der  deutschen  Zuckerwirtschast
hingewiesen.  Neben  den  Rohzuckerfabriken,  die  kontraktlich  zur  Abnahme ­
  von  Zuckerrüben  verpflichtet  waren,  wären  durch  eine  Entwertung ­
  des  Zuckers  Verbrauchszuckerfabriken  und  Handel  betroffen
worden,  die  über  mehr  als  7  Millionen  Doppelzentner  Rohzucker
bereits  Kaufverträge  abgeschlossen  hatten,  ebenso  wie  über  einen  Teil
der  zu  erwartenden  Verbrauchszuckererzeugnng  zugunsten  des  Handels
und  der  zuckerverarbeitenden  Industrie  schon  im  voraus  Verfügung
getroffen  war.  Alle  diese  Kreise,  und  mit  ihnen  die  Landwirtschaft,
forderten  eine  rasche  Klärung  der  Verhältnisse.  Über  die  Wahl  des
einzuschlagenden  Weges  tobte  ein  heftiger  Kampf  der  Meinungen:
1.  Einer  Aufhebung  oder  Milderung  des  Ausfuhrverbotes
standen  die  grundsätzlichen  Erwägungen  entgegen,  die  zum  Ausfuhrverbot ­
  vom  31.  Juli  1914  Veranlassung  gegeben  hatten.
2.  Die  Aufhebung  der  Vorkaufsverträge  würde  zwar  einerseits
den  Handel  und  die  Verbrauchszuckerfabriken  entlasten,  würde  aber
andererseits  unbilligerweise  die  volle  Last  den  Rohzuckerfabriken  und
damit  zum  Teil  mittelbar  der  Landwirtschaft  überbürden.
3.  Eine  Einschränkung  des  Rübenanbaues  und  der  Erzeugung,
die  man  vielfach  forderte,  hätte  in  ihren  Folgen  erst  im  nächsten
Jahre  richtig  in  die  Erscheinung  treten  können.  Aus  Fachkreisen
wurde  dagegen  auch  geltend  gemacht,  daß  eine  derartige  Einschränkung
die  weitere  Entwicklung  und  die  Wettbewerbsfähigkeit  der  deutschen
Zuckerwirtschast  nach  Kriegsende  schädigen  würde.  Denjenigen,  welche
die  Einschränkung  des  Rübenanbaues  zugunsten  einer  Vermehrung
der  Getreideanbaufläche  wünschten,  wurde  von  Zuckcrfachleuten  wie
von  Wirtschaftspolitikern  entgegengehalten,  daß  gerade  der  Anbau
von  Zuckerrüben  die  höchsten  Nährwerte  zu  liefern  imstande  sei.  Auf
diese  Tatsache  hatte  schon  früher  Helfserich  in  seinem  Buche  über
Deutschlands  Volkswohlstand  aufmerksam  gemacht:  „Zu  dem  unl
  mittelbaren  Gewinne  aus  der  gesteigerten  Produktion  an  Rübenzucker ­
  kommen  für  die  deutsche  Landwirtschaft  große  mittelbare  Vorteile ­
  aus  der  Ausdehnung  der  Zuckerrübenkultur.  Die  intensive  und
rationelle  Pfleae.  welche  die  Zuckerrübe  erfordert,  kam  überall  auch
den  übrigen  Zweigen  der  Landwirtschaft  zugute.  Daneben  liefert  die
Verarbeitung  der  Zuckerrübe  große  Massen  von  Rückständen,  die  ins-
            
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