Full text : Der Zucker im Kriege

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besondere  als  Viehfutter  Verwendung  finden  und  damit  eine  rationelle
Viehhaltung  ermöglichen."  *)
4.  Andere  Vorschläge  gingen  wieder  dahin,  die  überschüssige
Zuckermenge  vorläufig  vollständig  aus  dem  Verkehr  zu  ziehen  und
die  in  ihr  festgelegten  Vermögenswerte  durch  eine  Erleichterung  der
Beleihung  durch  die  Darlehnskassen  flüssig  zu  machen.  Die  damit
notwendigerweise  verbundene  Aufhebung  der  Lieserungsverträge  für
Zucker  neuer  Ernte  wurde  in  dieser  Tragweite  sowohl  aus  den  Kreisen
der  Industrie,  wie  des  Handels  und  der  Verbraucher  als  eine  unerwünschte ­
  Folge  erklärt  und  abgelehnt.  Der  Vorschlag  eines  hervorragenden ­
  Zuckerfachmannes,  das  Reich  solle  in  die  sämtlichen  Verträge ­
  des  Handels  eintreten,  fand'  damals  —  leider  —  keine  Beachtung. ­
  Für  eine  derartige  großzügige  Lösung  kriegswirtschaftlicher
Probleme  war  die  Zeit  eben  noch  nicht  reif.
Die  Reichsregierung  nahm  in  der  „Norddeutschen  Allgemeinen
Zeitung"  vom  4.  Oktober  1614  zu  der  Frage  wie  folgt  Stellung:
„Die  deutsche  Zuckerindustrie  wird  durch  den  Krieg  in  zweifacher
Weise  berührt.  Einmal  sind  ihr  durch  das  Ausfuhrverbot  die  Wege
nach  dem  Auslande  abgeschnitten  oder  mindestens  gebindert,  sodann
tritt  ihre  Aufgabe,  der  Versorgung  des  heimischen  Nahrungs-  und
Futtermittelmarkts  zu  dienen,  während  des  Krieges  und  für  die
nächste  Zeit  nach  dem  Kriege  besonders  in  den  Vordergrund.
Alle  Staaten  sind  zur  Zeit  eifrig  bestrebt,  ihre  Nahrungsmittelvorräte ­
  sich  nicht  nur  zu  erhalten,  sondern  nach  Möglichkeit  zu  vermehren. ­
  Aus  diesem  Grunde  wurde  auch  in  Deutschland  für  Zucker
alsbald  nach  Ausbruch  des  Krieges  ein  Ausfuhrverbot  erlassen.  Dies
war  um  so  notwendiger,  als  die  deutsche  Zuckerausfuhr  regelmäßig
zu  nahezu  acht  Zehnteln  nach  England  geht  und  es  vor  allen  Dingen
verhindert  werden  mußte,  daß  wir  unsere  Feinde  mit  einem  wichtigen
Nahrungsmittel  von  Deutschland  aus  versorgten.  Das  Ausfuhrverbot ­
  hat  seinen  Zweck,  dre  Engländer  wirtschaftlich  zu  schädigen,
auch  durchaus  erreicht.  In  England  sind  die  Zuckerpreise  bis  auf
das  Doppelte  gestiegen,  was  bei  dem  hohen  Zuckerverbrauche  der
englischen  Bevölkerung  schwer  ins  Gewicht  fällt.
Auf  der  anderen  Seite  erwuchsen  aus  dem  Ausfuhrverbote  für
unsere  inländischen  Zuckerinteressenten  naturgemäß  Schwierigkeiten.
Aus  der  alten  Rübenverarbeitung  haben  wir  im  Jnlande  noch  ziemlich ­
  erhebliche  Vorräte  aus  Lager,  und  die  neue  Rübenverarbeitung
mit  einer  im  Durchschnitt  recht  guten  Zuckerrübenernte  steht  vor  der
*)  Helfferich,  Deutschlands  Volkswohlstand  1888  bis  1913,  Seite  56.
            
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