94
Dritter Teil.
weitaus die höchsten Ziffern der unehelichen Geburten 'aufzu-
weisen: „Im. Durchschnitt der Jahre zwischen 1897 bis 1905
23,7%; danach kommen die fränkisch-sächsischen Stämme
mit durchschnittlich 16,5%; worauf die Ruthenen (12,0),
Rumänen (10,7), Tschechoslowaken (xzo,o), Polen (9,9),
Slowenen (8,3), Italiener (6,0), Schwaben (5,8) und Kroaten
(3,9) folgen. Die immensen Unterschiede, die ım Laufe der
Jahre konstant bleiben, zeigen deutlich, wie sehr die sozialen
und populationistischen Bedingungen der Unehelichkeit vor den
im Volkscharakter und den Volkssitten gelegenen Bedingungen
zurücktreten müssen. Denn die Wohngebiete der einzelnen
Stämme zeigen je für sich die mannigfaltigsten wirtschaft-
lichen .und sozialen Verhältnisse. So umfaßt der bajuvarische
Sprachstamm das Hochgebirge und das Tiefland mit‘ ver-
schiedenen agrarischen Verhältnissen, sowie industrielle und
großstädtische Gebiete; ähnlich wohnen die Schwaben, Franken
(usw.), Tschechoslawen und Italiener in Gebieten mit ver-
schiedener sozialer Struktur; die Italiener, welche in Südtirol
und im Küstenland unter verschiedenen Bedingungen leben,
zeigen ungefähr dieselbe Ziffer, welche das Königreich Italien
aufweist! (Die niedrige Ziffer der Kroaten ist zum Teil durch
Männerüberschuß bedingt)‘ 140,
Die innere Wesensverwandtschaft zwischen Bayern und Öster-
reichern spiegelt sich, auch im Vergleich mit den Sachsen, in
dem verschiedenen Verhalten bei den Legitimationen der Nach-
kriegszeit wieder141
Auf weiteren Wegen hat Schreiber dieses die Zusammen-
hänge charakteristischen nationalen Geschlechtslebens darzu-
stellen unternommen. An der Hand der von Mittermaier mit-
geteilten statistischen Angaben über die unehelichen Geburten-
140 Spann; S. 11/18.
141 Kasten, p. 43.