Full text : Vieh und Fleisch in der deutschen Kriegswirtschaft

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Der  Wert  der  Därme  ist  infolge  des  starken  Wurstverbrauches ­
  in  Deutschland  bei  gleichzeitig  stark  verringerter  Einfuhr
aus  dem  Auslande,  die  noch  im  Jahre  1909  einen  Wert  von  rund
52  Millionen  Mark  dargestellt  hatte,  ungefähr  uni  das  Dreifache  gestiegen. ­
  Der  durchschnittliche  Erlös  für  einen  Satz  Rinderdärme
stellt  sich  gegenwärtig  auf  8,84  Ji,  für  einen  Satz  Schweinedärme
auf  2,73  Ji.
Außer  den  Därmen  werden  als  Wursthüllen  auch  die  Harnblasen ­
  und  die  innere  Haut  des  Schlundes  benutzt.  Früher  betrug
der.  Preis  hierfür  nicht  mehr  als  5  bis  10  Hk,  heute  werden  etwa
30  ^  für  das  Stück  bezahlt.
Durch  Verordnung  vom  1.  März  1917  ist  der  Preis  für  den
zu  technischen  Zwecken  beschlagnahmten  Labmagen  des  Kalbes  geregelt ­
  und  für  trockene  fehlerfreie  Ware  auf  0,60  Ji,  für  trockene
schadhafte  Ware  auf  0,40  Ji  festgesetzt.
Für  die  übrigen  als  Nahrungsmittel  verwertbaren  Teile  des
Krames  hat  man  nur  in  einigen  wenigen  Gegenden  Kleinhandelspreise ­
  bestimmt.  Sehr  häufig  ist  aber  der  Krampreis  nicht  im
richtigen  Verhältnis  zum  Kleinhandelsfleischpreise  festgesetzt,  obwohl
rr  anteilmäßig  mit  dem  Fleischpreise  steigen  oder  fallen  müßte.  Da
der  K  r  a  m  e  r  l  ö  s  bei  der  Berechnung  des  Kleinhandelsreises  von  den
Gestehungskosten  des  SchlachtgewichtS  in  Abzug  zu  bringen  ist,  so
bedingt  eine  zu  niedrige  Bewertung  des  Krames  einen  zu  hohen
Fleischpreis.  Vielfach  war  der  Krampreis  von  den  Gemeinden  und
Gemeindeverbänden  absichtlich  niedrig  bemessen,  um  aus  dem  Kram
eine  billige  Wurst  herstellen  zu  können.  Diese  Maßnahme  veranlaßt
den  Verbraucher  zu  einer  geringeren  Ausgabe  für  Wurst,  zu  einer
um  so  größeren  aber  für  Fleisch,  gibt  Anlaß  zur  Beunruhigung  der
Bevölkerung  über  die  hohen  Fleischpreise,  die  in  keinem  richtigen
Verhältnis  zu  den  Wurstpreisen  stehen,  und  verhindert  eine  von  den
Preisprüfungsstellen  und  im  Interesse  einer  brauchbaren  Statistik
SU  fordernde  Durchsichtigkeit  der  Preispolitik.  Sie  ist  daher
nur  dann  gerechtfertigt,  wenn  die  Wurst  ausschließlich  der  minderbemittelten ­
  Bevölkerung  zugute  kommt,  was  unter  den  heutigen
schweren  Ernährnngsverhältnissen  immer  seltener  wird.  Die  Wurst
'st  jetzt  bei  allen  Bevölkerungsklassen  in  gleicher  Weise  begehrt,  seit
ste  in  zentralen,  behördlich  überwachten  Betrieben  als  Erzeugnis  mit
bekannter  Zusammensetzung  und  nicht  mehr  ausschließlich  als  „Ver-N'auenssache"
  hergestellt  wird.
            
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