Full text: Vieh und Fleisch in der deutschen Kriegswirtschaft

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so errechnet wurde, daß auf je 100 kg Schlachtgewicht aus Haus 
schlachtungen 4 Vollsclbstversorger gerechnet wurden. 
Die Deckungdes durch den teilweisen Ersatz von Brot durch 
Fleisch entstehenden Mehrbedarfs an Schlachtvieh für die Ver 
sorgung der Zivilbevölkerung war nur durch eine sehr starke Heran 
ziehung der Rinder zu den Schlachtungen möglich, weil damit gerechnet 
werden mußte, daß die vom 1. Mai ab eintretende Senkung der 
Schweinepreise voraussichtlich eine so starke Abstoßung von Schlacht 
schweinen zur Folge haben würde, daß für die Zeit nach dem 1. Mai 
wohl nur noch eine verhältnismäßig geringe Zahl Schweine für 
Schlachtzwecke zur Verfügung stehen würde. Die Reichsfleischstclle 
mußte infolgedessen die Zahl der für die Zivilbevölkerung bestimmten 
Schweineschlachtungen, die in der Zeit vom 1. Februar bis zum 
30. April noch 529 000 betragen hatte, auf 200 000 herabsetzen. Eine 
stärkere Heranziehung der Schafe kann zur Deckung des Mehrbedarfs 
an Fleisch nicht in Betracht-kommen, da deren Erhaltung und Ver 
mehrung mit Rücksicht auf die Notwendigkeit der Wollerzeugung mit 
allen Mitteln angestrebt werden muß. Bei den Kälbern ergab sich durch 
Mehrschlachtung voraussichtlich eine Ersparungsmöglichkeit für 
30 000 Rinder. Während in der Zeit vom 1. Februar bis zum 
30. April zur Deckung des Fleischbedarfs für die Zivilbevölkerung 
300 000 Rinder notwendig waren, stieg nunmehr der Bedarf auf 
1337 000 Stück, und bei einer Gegenüberstellung des früheren und 
jetzigen Gesamtbedarfes für Heer und Zivilbevölkerung ergab es sich, 
daß statt 800 000 Rinder wie in der letzten Umlagepcriode 1800 000 
Stück geschlachtet werden mußten. 
Die Aufbringung einer derartigen Rindermenge bedeutet 
einen scharfen Eingriff in die Rinderbestände und damit 
ein Abweichen von den bisherigen Richtlinien der Reichsflcischstelle, 
die bei allen früheren Umlagen das Bestreben hatte, die 
Rinderbestände nicht stärker in Anspruch zu nehmen, als eS sein 
darf, ohne ihre Leistungsfähigkeit in Frage zu stellen. Wenn dabei die 
prozentuale Entnahme absichtlich unter der friedcnsmäßigen Ab 
stoßung blieb, so geschah dies auch aus dem Grunde, weil eine 
Schwächung des für die Feldbestellung unbedingt notwendigen 
Spannviehs nicht stattfinden durfte, es im Gegenteil bei dem Fehlen 
der großen Zahl (etwa 1 Million) früher in der Landwirtschaft 
benutzter Pferde sogar notwendig war, eine Steigerung der Zahl 
des Gespannvichs zu erreichen. Auch die Kuhklasse des Rindvieh 
bestandes sollte in dem bisherigen Umfange erhalten werden, weil 
die Milcherzeugung des einzelnen Tieres während des Winters
	        
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