Full text : Die Preisprüfungsstellen

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Hier  liegt  immer  eine  Frage  der  individuellen  Wahl  vor.  Es  können
Zweckmäßigkeitserwägungen  mitsprechen,  gerade  bestimmte  Typen  von
Warenbesitzern  und  bestimmte  Thpen  von  Verbrauchern  zu  wählen.
Das  tritt  nach  verschiedenen  Richtungen  hin  klar  zu  Tage.  Zunächst
in  großen  Industriebezirken  mit  ihren  Massenzahlen  von  organisierten
Arbeitern.  Hier  ist  der  Arbeiter  der  hervorstechende  Typus
Verbraucher,  mit  gleichzeitig  schärfster  Verbraucherinteressiertheit
am  Preise  wie  an  der  Versorgung.  Wir  treffen  daher  in  einer
Reihe  großstädtischer  Preisstellen  Arbeitermitglieder  an,  oft  leitende
Personen  der  Arbeiterorganisationen.  Das  gilt  vor  allem  für
rheinisch-westfälische  Städte,  für  Sachsen  und  Schlesien,  auch  für
andere  große  und  mittlere  Städte  des  industriellen  Deutschland.
Das  ist  wohl  verständlich  im  Hinblick  auf  die  wirtschaftliche  Lage  der
Arbeiterschaft  einerseits,  anderseits  wegen  der  Bedeutung  der  Erhaltung ­
  ihrer  vollen  Arbeitskraft  jetzt  im  Kriege.
Neben-  der  Arbeitervertretung  ist  die  Vertretung  militä
  r  isch  er  SHellen,  insbesondere  der  Generalkommandos  und  der
Intendanturen,  praktisch  wichtig  und  wird  tatsächlich  viel  geübt-Zunächst
  deshalb,  weil  in  den  größten  Städten  und  in  den  Reichsgrenzgebietcn
  die  Garnisonen  Massenverbraucher  sind,  deren  Versorgung ­
  und  Preisgebote  durch  die  Aufkäufe  der  Intendanturen  von
bestimmendem  Einfluß  auf  Preis  und  Versorgung  der  bürgerlichen
Bevölkerung  sind;  dann  auch,  weil  die  militärischen  Behörden  die
Möglichkeit  zu  weitreichenden  Verwaltungseingrisfen  und  vor  allem
zum  schnellen  Durchgreifen  bei  aufkommenden  Notständen  besitzen.
Enge  Fühlung  zwischen  Preisstellen  und  Militär  ist  auch  darum  geboten, ­
  weil  die  Warenabgabe  an  Militärangehörige  vielfach
Schwierigkeiten  in  der  Regelung  der  Bevölkerungsversorgung  mit
sich  bringt,  ein  zeitweise  fast  ständiges  Kapitel  in  den  Verhandlungen
einiger  Preisstellen.  .
Viele  Preisstcllen  haben  Frauen  zugezogen.  Der  Grund  liegt  H.
klar  zu  Tage.  Die  Bedeutung  der  Frau  als  Käuferin,  Verbraucherin
und  Verwalterin  der  Nahrungsmittel  ist  bei  der  herrschenden  Knappheit ­
  und  dem  herrschenden  Preisstande  überragend  groß;  bestimmte
Aufgaben  der  Preisstellen  (unmittelbare  Aufklärung,  Ratschläge  an
die  verbrauchende  Bevölkerung,  tägliche  Überwachung  des  Lebensmittelhandels,
  Einwirkung  auf  zweckmäßige  Umstellung  der  Konsumgewohnheiten)
  können  zudem  durch  Frauen  in  vielleicht  zwcckmäßigster
  Weise  gelöst  werden.
Wenn  in  einer  Reihe  von  Städte»  Pressevertreter  in  die
Preisstellen  berufen  wurden,  so  war  dafür  der  Wunsch  maßgebend,
            
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