fullscreen: Rationalisierung als Kulturfaktor

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B. Betrachtungen 
handelt sich hier um ein Suchen nach dem Gemeinschaftserlebnis im 
Beruf als einer Komvensationsmöglichkeit für die verlorengegangene 
Totalitaͤt des religiösen Lebens, um ein Stüd mittelalterlicher Ganz⸗ 
heitsmystik im modernen Gewand. Wo aber die Arbeitsentsinnung 
des Arbeitsprozesses diesen Totalitätsmythos innerhalb des Berufs 
unmöglich macht, da hält der Katholizismus die Totalität des kirchlichen 
Lebens als Aufnahmestellung für die im Berufe unerfüllte Ganzheits⸗ 
sehnsucht bereit. So findet er in der Rationalisierung grundsätzlich 
keinerlei Hemmungen für die Verwirklichung, Verbreitung und Pflege 
seiner religiösen Idee. 
Unmittelbarer noch, organischer, klarer als die Bezugslinien 
zwischen Rationalisierung und Katholizismus, ist die Verbindung 
zwischen Rationalisierung und Protestantismus. Für Luther 
ist die Möglichkeit zur Betätigung des Glaubens in der weltlichen 
Gesellschaft und deren Ordnung gelegen. Jeder Beruf, jedes weltliche 
Amt ist für ihn eine Funktion der in dieser Ordnung wirkenden 
religiös⸗ sittlichen Kraft. In der Augsburger Konfession wird aus⸗ 
drücklich erklärt, daß die Entäußerung von Familie und Eigentum 
dem echten Begriff der christlichen Vollkommenheit fremd ist. Die gött⸗ 
liche Ordnung ist in Staat, Ehe, Familie und Beruf gegeben. Die 
Welt ist als Gottes Schöpfung zu bejahen und zu fördern. Denn durch 
den Schöpfungsglauben ist alle Kreatur heilig in Gott. Insbesondere 
wird der Gegensatz zwischen den äußeren Werken, welche nichts wirken, 
und der Arbeit am wirklichen Eigenberuf betont. Luthers germa⸗ 
nische Genialität fand sich abgestoßen von jedem Werk ohne wirkende 
Kraft, von jeder Arbeit ohne Leistung. In der Welttätigkeit selbst, im 
Berufsleben sieht er den von Gott gegebenen Spielraum für die im 
Glauben enthaltene Kraft“). 
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