Full text: Das Retablissement Ost- und Westpreußens unter der Mitwirkung und Leitung Theodors von Schön

90 
Zustimmung auf die früher von dem letzteren verpönte Getreideverteilung 
zurückgegriffen, aber in der Weise, daß die Bauern die Getreidevorschüsse 
nachträglich abarbeiteten"). 
Motz machte gegen die Abarbeitungen geltend, daß sie den Wirtschafts 
betrieb der Nestanten selbst schädigten, und wollte sie deshalb ganz ab 
schaffen. Als er aber im Herbst des Jahres 1826 die östlichen Provinzen 
bereiste, nahm er, um mit Schön zu reden, alsbald eine andere Philosophie 
an; er überzeugte sich davon, daß das Abverdienen der Reste, sofern es 
auf kleinere Arbeiten in der Nähe der Wohnstätten der Restanten be 
schränkt werde, ohne Nachteil für diese durchgeführt werden könnte. Mit 
dieser Maßgabe wurde die von Schön getroffene Einrichtung auch weiter 
beibehalten^). 
Motz selbst hat nach seiner Rückkehr von jener Besichtigungsreise für 
alle östlichen Provinzen Maßregeln veranlaßt, die ganz offenbar die in 
Altpreußen durchgeführten Notstandsarbeiten zum Vorbild haben. Wie 
hier herrschte im Jahre 1826 auch in Pommern, Posen und Schlesien 
Brotmangel, da die Ernte vielfach schlecht ausgefallen war. Motz regte 
nun im Verein mit Schuckmann beu Ankauf von 700000 Scheffeln Roggen 
für diese Provinzen an^) Die Minister glaubten sich freilich wegen dieses 
Rückfalls in die merkantilistische Wirtschaftspolitik vor dem freihändlerischen 
Zeitgeist rechtfertigen zu müssen: „Wir verhehlen uns nicht, wie bedenklich 
es sei, ohne dringende Aufforderung seitens der Staatsverwaltung in den 
natürlichen Verkehr der Gesellschaft einzugreifen, so den das Bedürfnis 
scharf ausspähenden Spekulanten in seinen Unternehmungen abzuschrecken 
und den lässigen, fremder Hilfe gern Vertrauenden noch lässiger zu machen""). 
Die angekauften Vorräte sollten deswegen nicht etwa auf den Markt ge 
worfen werden, um dort die Preise zu regulieren, auch durften sie keines 
falls geschenkweise als Armenunterstützung verteilt werden. Sie sollten 
nur zur Naturallöhnung dienen. Deshalb veranlaßten die Minister gleich 
zeitig die Inangriffnahme von Wegebauten in größeren: Umfang. Die 
Arbeiter, die sich hieran beteiligten, sollten den Lohn zum überwiegenden 
Teil in natura ausgezahlt bekommen, und zwar in Brot, nicht in Korn. 
Es war also im wesentlichen das von Schön seit 1822 geübte Verfahren, 
das man jetzt auf andere Provinzen ausdehnte. 
Ost- und Westpreußen bekamen den Hauptanteil an der neuen Be 
willigung. Es konnten hier bis zu 340000 Scheffel aufgekauft werden. 
0 Königsberg St. A. O. P. V Nr. 24. 
0 JB. Motz' v. 30 Dez. 1826. Geh. St. A. a. a. O. 
->) JB. v. 4. Okt. 1826. Geh. St. A. 77, 215, 40 vol. I. 
4 ) Den gleichen Satz wiederholen die Minister in einer Verfügung an Schön 
v. 5. Nov. 1826. Danzig 161. 578 vol. I.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.