Full text: Das Retablissement Ost- und Westpreußens unter der Mitwirkung und Leitung Theodors von Schön

stützung beide Familien nicht auf die Dauer im Besitz ihrer hochverschuldeten 
Güter erhalten könne und ihnen deshalb nur neues Unheil bringen würde. 
Er wollte ihnen statt dessen kleinere Besitzungen verschaffen, die ihren 
Kräften besser angepaßt waren. „Graf Groeben ist gegen meinen Rat 
in Hasenberg hineingefahren, wie der Vogel in den Schlund der Klapper 
schlange"^). 1838 kam denn auch Hasenberg durch Verkauf aus dem 
Besitz der Familie. Die Weslinenschen Güter waren den Groebens schon 
vorher in der Subhastation verloren gegangen. 
Sehr tatkräftige Hilfe fand bei Schön Frau v. Auerswald, die Be 
sitzerin des Gutes Rodmannshöfen, das sie nach dem Tode ihres Gatten 
allein bewirtschaftete. Bei dem Kauf des Gutes (1804) hatte Auerswald 
eine Hypothek von 16000Tlr. iibernehmen müssen, und seine Witwe war 
nicht imstande, die Zinsen dieser Schuld aufzubringen. Schön ermöglichte 
ihr nun die Ablösung des Kapitals mit Hilfe der Landschaft und des Unter 
stützungsfonds, aus dem ihr überdies noch ein Kulturkapital vorgeschossen 
wurde (Gesamtbetrag der Unterstützung 9280 Tlr.). Als das Oberlandes 
gericht die Fornmlitäten hinauszog und die Gläubiger Frau von Auerswald 
bedrängten, kam Schön ihr mit mehreren energischen Schreiben an das 
Gericht zu Hilfe. Das Gut ist trotzdem der Familie nicht erhalten geblieben, 
da nach Frau von Auerswalde Tode ihre Kinder es 1834 für 26500 Tlr. 
an den Kaufmann Toussaint verkauften^). 
In manchen Fällen haben die 1824—27 verteilten Unterstützungen 
nicht genügt, die Besitzer über Wasser zu halten. Schön berechnete, daß 
in dieser Weise etwa 7% der bewilligten Gesamtsumme ihren 
Zweck verfehlt hätten^). Der Fall, der am meisten Aufsehen erregte, 
war der der v. Hippelschen Fideikommißgüter in Westpreußen. Für sie 
waren aus dem Landes-Unterftützungsfonds 22840 Tlr. durch Verrechimng 
landschaftlicher Zinsenreste und 15000 Tlr. als Kulturkapital gegeben worden. 
Sie mußten aber doch unter Administration gestellt werden, und 1834 ergab 
sich eine landschaftliche Schuld von 160097 Tlr. bei einer Taxe von 156917 
Talern. Die Subhastation wurde deshalb eingeleitet. Von 11 Gütern ist 
der Familie nur eines geblieben^). 
Von Schöns Gegnern wurde behauptet, er habe bei Verteilung der 
Unterstützungen seine Günstlinge bevorzugt, auch solche, die der Hilfe gar 
nicht bedurft hätten. Genannt wurden besonders Brünneck und Farenheid. 
Nun sind beide als besonders tüchtige Landwirte bekannt. Brünneck hat 
0 An Stägemann 25. Febr. 1827 tRühl 3, 315). 
2 ) Amtsgericht Königsberg, Grundakten von Rodmannshöfen. 
3 ) JB. v. 20. Mai 1836. 
*) Königsberg, Oberpräs. Rechnungslegung des Landes-Unterstützungsfonds 
1829. — Danzig 161, 503. — Bezzenberger S. 31 f.
	        
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