Full text : Lohnpolitik

Zugleich  wurde  damit  die  Frage  nach  der  Berechtigung  des
Unternehmergewinnes  und  nach  dem  rechten  Verhältnis
von  Kapital-  und  Unternehmergcwinn  einerfeits  und  Arbcitslohn
  auf  der  andern  Seite  aufgeworfen.  Es  begannen  damit
die  Kämpfe  um  den  Anteil  jedes  diefer  Intereffcnten  am  Ertrag
des  Unternehmens.  Bekanntlich  haben  die  hier  gekennzeichneten ­
  Fragen  zur  Aufteilung  eines  Wirtfchaftsfyftcms  geführt, ­
  das  die  Lohnarbeit  überhaupt  befeitigen  (oll.  Auf  diefes
Syftem  foll  hier  nicht  eingegangen  werden,  vielmehr  gehen
wir  hier  aus  von  der  Tatfache  der  Lohnarbeit  und  rechnen  auch
für  die  Folge  mit  ihr.
Mit  dem  Kampfe  um  die  Höhe  des  Lohnes  und  um  die  Art
feiner  Feftftellung  und  Bemeffung  ift  aufs  innigfte  verbunden
der  Streik.  Er  ift  keinesfalls  erft  eine  Erfcheinung  der  Neuzeit.
Schon  das  Mittelalter  hat  ihn  gekannt.  Die  Gefellen  haben
fich  des  „Handwcrkslcgens“  bedient,  wenn  die  Meiftcr  ihre
Forderungen  nicht  bewilligten.  Schon  im  14.  Jahrhundert
griffen  die  Weberknechte  zum  Streik,  fowohl  in  den  Niederlanden ­
  wie  auch  in  Süd-Dcutfchland  und  in  Italien.  Seitdem
ift  der  Gedanke,  durch  organifiertc  Entziehung  der  Arbeit
auch  dem  Arbeitgeber  die  Vcrdienftmöglichkeit  zu  entziehen
und  ihn  dadurch  fowie  durch  den  Druck  der  Öffentlichkeit
und  andere  Rückfichten  zu  hohem  Lohnbewilligungen  zu
bringen,  nicht  mehr  ausgeftorben.  Die  Organifation  der  Streikenden ­
  auf  der  einen  Seite  rief  die  Organifation  der  Gegenpartei ­
  auf  den  Plan.  Je  ftärker  die  beiderfeitigen  Organifationen
  wurden,  je  enger  die  Beziehungen  zwifchen  Privat  -
wirtfehaft  und  Volkswirtfchaft  fich  knüpften,  defto  bedenklicher
wurden  die  Folgen  der  Arbeitsunterbrechungen  für  die  gefamte
  Volkswirtfchaft,  fchüefzlich  auch  für  das  Staatsgefüge.
So  konnte  letzten  Endes  auch  der  Staat  an  dem  Lohnkampfe
nicht  mehr  achtlos  vorübergehen,  fondern  mufzte  feinerfeits
ebenfalls  Lohnpolitik  betreiben.  Der  wirtfchaftliche  Wandel
i
            
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