Full text: Bilanztechnik und Bilanzkritik

Inhalt und Form der B. 
l ) Über die Vereinheitlichung der Bilanzaufstellungen vgl. lAautey, 
L’unification des bilans des soci6t6s par actions. 5. 6d. Paris o. J.; Neij- 
marck. Du meilleur mode ä indiquer au point de vue statistique international 
pour la confection des bilans des sociätäs anonymes. Berlin 1903. Beide 
Autoren im Bulletin de l’Institut international de Statistique. Berlin 1904. 
Fwagi, Du bilan des sociätös par actions. (Etüde äconomique, comptable, 
flnanciere et juridique.) Paris 1906. S. 911!.; Moll, Rentabilität der 
Aktiengesellschaften. Jena 1908. 
Die traditionelle Kontenform der B., die gesetzlich ebenso 
wenig vorgeschrieben ist wie die innere Gliederung der B., schließt 
manche Unklarheiten in sich. Sie bedingt die Einsetzung eines 
aktiven Überschusses auf die Passivseite und umgekehrt. Sie 
läßt beispielsweise bei Aktienbilanzen weder den Betrag des 
Reinvermögens noch jenen der Schulden unmittelbar in einer 
Summe erkennen. Für Kapitalgesellschaften besteht überdies 
die zwingende Vorschrift, das Reinvermögen bilanzmäßig in 
einzelne Teile zu zerlegen: Grund- oder Stammkapital, Re 
servekapitalien und Reingewinn oder Unterbilanz. 
Die Anordnung x ) der Aktiva und der Schulden ist eine will 
kürliche, wechselt mitunter in der B. derselben Unternehmung 
in kürzeren Zwischenräumen absichtlich, um die Vergleichung 
der Bilanzergebnisse zu erschweren. Sie unterliegt keinen Vor 
schriften „ordnungsmäßiger Buchführung“. Es wechseln Bi 
lanzen in voller Durchsichtigkeit und weitgehender Speziali 
sierung mit Bilanzen, die ein paar Zahlen darstellen, der Not 
d. h. dem Gesetze gehorchend, nicht dem eigenen Triebe. Für 
Einzelfälle hat der Gesetzgeber Zwangsformulare erlassen, die 
neben dem obligatorischen Inhalt gleichzeitig die Reihenfolge 
angeben, z. B. für die B. der Notenbanken, für die dem Auf 
sichtsamt unterstellten Versicherungsgesellschaften; auch für 
Hypothekenbanken ist teilweise der Inhalt vorgeschrieben. Seit 
1909 bzw. 1912 veröffentlicht eine größere Zahl deutscher Kredit 
banken Zwischenbilanzen nach einem einheitlichen Schema. 
Eine natürliche Anordnung der Passiva erleichtert die Bilanz 
kritik außerordentlich. Dem gewohnheitsmäßig an die Spitze 
gestellten Grund- oder Stammkapital sollen die Reserven folgen 
— bei Genossenschaften: Geschäftsguthaben, Reservefonds, Be 
triebsrücklage, Sicherungseinlagen der Genossen — etwa in einer
	        
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