Full text: Finanzen und Steuern im In- und Ausland

— BOT 
Die Einnahmen des Reichs aus den übrigen Betrieben treten naturgemäß in Jahren 
mit hohen Erträgnissen der Verkehrsunternehmungen stark in den Hintergrund. Anders 
dagegen verhält es sich in den Rechnungsjahren 1925/26 und 1926/27, in denen wegen 
des Fehlens der Überschüsse der Verkehrsunternehmungen das Schwergewicht der 
detriebswirtschaftlichen Einnahmen des Reichs bei den übrigen Betrieben lag. Von 
Jiesen sind als die wichtigsten die Reichsbank und die Reichsdruckerei zu nennen, zu 
denen in den Nachkriegsjahren noch einige andere Unternehmungen, insbesondere die 
Vereinigte Industrieunternehmungen A. G. (Viag), eine Dachgeselischaft für verschiedene 
industrielle Unternehmungen und Beteiligungen, treten. Bemerkenswert ist bei diesen 
Einnahmen noch, daß in der Vorkriegszeit der Anteil am Reingewinn der Reichsbank 
weitaus an erster Stelle stand; in den Nachkriegsjahren hat diese Einnahmequelle infolge 
des im neuen Reichsbankgesetz für die Gewinnverteilung vorgesehenen Schlüssels stark 
an Bedeutung verloren, dafür sind die Einnahmen aus industriellen Unternehmungen, 
insbesondere aus der »Viag«, fortgesetzt im Steigen begriffen. 
Neben den regelmäßigen Erträgen der Betriebe verfügt das Reich auch noch über eine 
Anzahl Einnahmen außergewöhnlicher Art, die in diesem Zusammenhang 
Zu behandeln sind. Ihre Höhe zeigt folgende Aufstellung (Beträge in Mill. X oder AA): 
Rechnungsjahr 
insgesamt 
darunter 
Reichs- ) 
getreidestelle 
Münzwesen 1) | 
a 
CE 
(925726 erereee rer 
926/87 aeteeee ee 
9927128 1. Beam 
23,4 23,4 — 
133,7 131,0 Er 
150,1 61,6 2) 87,8 
87,5 83,5 | 1,0 
2) Abzüglich der Prägekosten. — ?) Davon 85,5 Mill. ZA für Zwecke der Landwirtschaft. 
In erster Linie sind hier die Erträge aus dem Münzwesen zu nennen, ferner in den 
Nachkriegsjahren 1925/26 bis 1927/28 die Überschüsse der Reichsgetreidestelle, Diese 
dinnahmen weisen entsprechend ihrer Natur als einmalige Erträge von Jahr zu Jahr 
starke Schwankungen auf. Die Einnahmen aus dem Münzwesen hielten sich im Vor- 
Kriegsjahr 1918/14 in engen Grenzen; die demgegenüber ganz erheblich höheren Beträge 
der Nachkriegsjahre, insbesondere des Rechnungsjahres 1925/26, stehen mit dem nach 
Beendigung der Inflation durchgeführten Aufbau der neuen Reichsmarkwährung in 
Zusammenhang. Die Überschüsse der Reichsgetreidestelle fallen hauptsächlich in das 
Rechnungsjahr 1926/27, sie wurden fast vollständig für Zwecke der Landwirtschaft ver- 
Wendet. 
Es liegt in der Natur der Betriebswirtschaft, daß nicht nur Erträge erzielt werden, 
Sondern gegebenenfalls auch Zuschüsse zu leisten sind. Bedenklich ist dies 
iedoch nur dann, wenn sie zur Deckung eines Fehlbetrages aus der laufenden 
Betriebsführung gegeben werden, weil sich daraus ergibt, daß der betreffende 
Betrieb unrentabel wirtschaftet. Anders sind ‘jedoch die Zuschüsse außer- 
SeWwöhnlicher Art — häufig in Form von Darlehen gegeben — zu beurteilen. Diese 
lienen in der Regel zur Erweiterung oder Vervollkommnung der betriebswirtschaft- 
lichen Einrichtungen, stellen also eine werbende Anlage dar, die sich im Laufe der 
Jahre durch höhere Betriebsüberschüsse bezahlt macht. Derartige Zuschüsse werden 
deshalb auch häufig aus Anleihemitteln bestritten. 
Zuschüsse zur laufenden Betriebsführung hat das Reich in den hier beträchteten 
Rechnungsjahren nur in verhältnismäßig geringem Maße geleistet. Von erheblicher Be- 
deutung sind dagegen in den Nachkriegsjahren die Zuschüsse und Darlehen 
‘ür außergewöhnliche Zwecke. Ihre Höhe ergibt sich aus der nach- 
$tehenden Übersicht (Beträge in Mill. ‚4 oder AM):
	        
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