Bankbilanzen. 257
wegen Beurteilung der Lebhaftigkeit des Börsenverkehrs, der
Emissionstätigkeit der Banken und ihres Einflusses auf Umsatz
und Provisionseinnahmen im Effektenkommissionsgeschäft. Eine
Kursentwertung an der Börse vermindert die Effekten- und Kon-
sortialgewinne, ebenso politische Wirren (Balkankrieg 1913). Der
Wechselstempelsteuerertrag zeigt die Zunahme des Kreditge
schäftes und des Kreditbegehrs. Der Zinsfuß (die Bankrate)
und die Lage des allgemeinen Geldmarktes (Reportsätze der
Börse) bestimmen die Erträgnisse des Kreditgeschäftes (Konto
korrent- und Wechselkredit), sind bedeutungsvoll für die Heran
ziehung ausländischer Gelder und der Depositengelder. Ein
niedriger Geldzins veranlaßt das Publikum zum Ankauf von
Effekten eher als zur Hergabe von Depositengeldern. Für die
Beurteilung des Berliner Börsenverkehrs und dessen Einfluß
auf die Geschäftsergebnisse der Berliner Großbanken geben die
Umsätze der Bank des Berliner Kassenvereins, die man treffen
der als „Bank der Berliner Börse“ bezeichnen würde, gute An
haltspunkte.
Organisation und Geschäftskreis der Bank müssen in ihren
Abschluß zahlen Ausdruck finden. Die Ergebnisse der dezentrali
siert betriebenen Deutschen Bank mit ihren zahlreichen Depo
sitenkassen, ihren ausgedehnten Beziehungen zum auswärtigen
Handel müssen andere sein als jene der Berliner Handelsgesell
schaft, eines „Privatbankgeschäfts auf Aktien“ mit ihrem zen
tralisierten Geschäftsbetrieb ohne Filialen und Depositenkassen.
Die B. reiner Depositenbanken, reiner Hypothekenbanken müssen
in ihrer Zusammensetzung sich von denen der Effekten- oder
der gemischten Hypothekenbanken unterscheiden. Jede Kredit
bank will individuell beurteilt sein x ).
Die seit 1909 erfolgende Veröffentlichung von Zwischen
bilanzen hat zu einer größeren Übereinstimmung der B. unserer
großen Banken geführt. Auf Depositen-Konto verbuchte eine
Bank früher nur bei den Depositenkassen eingezahltes Geld auf
loste Termine, die täglich fälligen Guthaben aber unter den
Kreditoren; jetzt werden alle, auch die täglich fälligen Gelder,
bei den Depositenkassen auf diesem Konto verbucht. Die Schei-
*) Hecht, Die Mannhe : mer Banken 1870—1900. Leipzig 1902, S. 23.
Lei in er, Buchhaltung und Bilanzkmide. II. 6.u. 7. Aufl. 17