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über den 31. Dezember 1919 hinaus fortzuführen. Sie hat vereinbarungs
gemäß ihre interne Berechnung derart vorgenommen, daß die bis 31. Dezember
1919 abgeschlossenen Geschäfte von den späteren völlig getrennt wurden.
Die bisherige Einheitsbanknote wurde durch verschiedene Arten neuer
Geldzeichen ersetzt, wobei mehrfach eine provisorische Abstempelung an die
Stelle der Neuausgabe getreten war. Neue Geschäfte in Österreich durften nur
unter Verwendung deutsch-österreichisch gestempelter Noten ausgeführt werden.
Entsprechende Bestimmungen wurden für Ungarn getroffen.
Der Ausweis vom 30. November 1920 ist der letzte, der ein Bild der „gemein
samen Gebarung" gibt. In den folgenden Ausweisen werden die Ziffern der
österreichischen und der ungarischen Geschäftsführung getrennt angegeben. Am
31. Dezember 1922 stellte die Österreichisch-ungarische Bank auch für Österreich
ihre Tätigkeit ein.
A. Die Österreichische Nationalbank')
Am 1. Januar 1923 hat die Ö st e rr e i ch i s ch e N a t i o n a l b a n k die
Geschäfte der „Österreichischen Geschäftsführung der Österreichisch-unga
rischen Bank" übernommen. Sämtliche Aktiva und Passiva gingen zugleich
mit dem Notenumlauf und den Giroverbindlichkeiten auf sie über. Das
Aktienkapital beträgt heute 54,96 Millionen Schilling.
Die Mindestdeckung des Notenumlaufs durch Gold ist mit
Beginn des Jahres 1937 von 20 auf 22 °/ 0 erhöht worden; das tatsächliche
Deckungsverhältnis bewegte sich 1936 zwischen 26 und 27,2 °/ 0 - Bei Unter-
schreitung des vorgeschriebenen Mindestdeckungsverhältnisses ist für den
ungedeckten Betrag Notensteuer in Höhe des jeweiligen Diskontsatzes zu
entrichten. Mit der Aufhebung der Völkerbundskontrolle über Österreich
ist auch der ausländische Berater des Instituts aus seinem Amte geschieden.
Regierung und Notenbank erklären sich wiederholt für Aufrechterhaltung
der Stabilität des Schillings. Der Goldpreis, der seit Februar 1934 auf
der Grundlage des Pariser Goldkurses berechnet wurde, wird seit Oktober
*) S. auch mein „Bankgeschäft" a. a. O., II. Band S. 93 ff. und das dort an
gegebene Schrifttum. Aus neuerer Zeit: Gustav Wärmer, Das öster
reichische Kreditwesen. Wien 1936. Laufend unterrichten die Verwaltungs
berichte der Banken, ferner die „Mitteilungen des Verbandes österreichischer
Banken und Bankiers" und (feit 1936) ihre Nachfolgerin „Österreichische Zeit
schrift für Bankwesen".
2) 1 Schilling = 0,2117 g feinen Goldes — 0,694 Goldkronen --- 10 000
Papierkronen (— ca. 0,59 RM). Kurs im Juli 1937 49 Rpf.