Full text : Bilanztechnik und Bilanzkritik

Konkttrsbilanzen.

393

Auseinandersetzung  über  das  Gesellschaftsvermögen  erfolgt,
wenn  nicht  anders  vereinbart  wurde,  im  Wege  der  Liquidation
(§  145  HGB.),  falls  nicht  die  Gesellschaft  selbst  dem  Konkurs
verfällt.
Das  folgende  Beispiel  behandelt  die  Zahlungseinstellung  des
Bankhauses  Haller,  Soehle  &  Co.  in  Hamburg  und  gibt  einen
instruktiven  Einblick  in  die  Verhältnisse  vor  der  Konkurseröffnung. ­
  Besonders  interessant  ist  das  Verhältnis  der  Buchwerte
zu  den  angenommenen  Liquidationswerten  (vgl.  S.  394).

Die  Bilanz  von  Haller,  Soehle  &  Co.  am  31.  Dez.  1906
Aktiva  nach  dem  Bericht  des  Liquidators.  Passiva

M
Diverse  Effekten  1  697  003,84
Grundstück  Mittelweg  .  532  980,82
Grundst.  Adolfsplatz  .  .  215  168,96
Vereinsbankkonto  70  453,23
Reichsbankkonto  4  312,61
Kassakonto  23121,31
Diverse  Wechselkonti..  33  941,01
Diverse  Debitoren  ...  .26  438  222,94

M
Kapitalkonto  5  216  302,26
Reservekonto  1  902  523,32
Provisionskonto
Vortrag  30  000,—
Hypothekenkonto
Mittelweg  422  500,—
Adolfsplatz  ......  190  000,—
Akzeptenkonto  13  443  617,69
Diverse  Kreditoren  ...  7  810  261,45

29  015  204,72

29  015  204,72

Kritik:  Auffallend  ist  der  enorme  Betrag  der  Akzeptverbindlichkeiten. ­
  Primadiskonten  haben  in  der  Regel  eine  Laufzeit ­
  von  höchstens  3  Monaten.  Dies  angenommen,  ergibt,  daß
die  Firma  durchschnittlich  etwa  für  150  000  M.  Akzepte  täglich
einzulösen  hatte.  Diesen  Verbindlichkeiten,  auch  mit  Rücksicht
auf  den  Kupontermin  am  2.  Januar  und  den  unter  den  Kreditoren
verrechneten  täglich  fälligen  Verbindlichkeiten,  stehen  vollständig ­
  ungenügende  Deckungsmittel  zur  Verfügung.  Das  Reichsbankguthaben ­
  ist  außerordentlich  gering.  Von  den  Debitoren
entfallen  7,76  Mill.  auf  „Partizipationsvertragskonto  der  Wesselner
  Koks-  und  Kaumazitwerke“,  d.  h.  aus  Finanzierungsgeschäften, ­
  die  bei  der  Zahlungseinstellung  in  Höhe  von  8  035  524,87
als  Verlust  abgeschrieben  werden  mußten.  Dieses  Werk  beschaffte ­
  sich  flüssige  Gelder  durch  Trassierung  der  Kontokorrent-Salden
  auf  die  finanzierende  Firma  (s.  Liquidationsbilanz:  Gut-
            
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