Contents : Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

3.  Ist  der  Kandel  Produktiv?

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hinaus,  durch  Steigerung  der  Tauglichkeit  zur  Befriedigung  menschlicher  Bedürfnisse
die  Wertfähigkeit  der  Güter  zu  steigern,  d.  h.  sie  fähig  zu  machen,  daß  sie  von  den
Menschen  höher  bewertet  werden.  Ob  das  gelingt,  ist  eine  andere  Frage.  Wir
gebrauchen  den  Ausdruck  Produktion  nicht  nur  für  diejenige  Tätigkeit,  welche  Erfolg
hat,  also  tatsächlich  die  Menschen  zu  einer  höheren  Bewertung  der  Güter  veranlaßt,
sondern  auch  für  alle  diejenigen,  welche  eine  gleiche  Tendenz  verfolgen,  ohne  das  Ziel
erreichen  zu  können.  In  diesem  Sinne  ist  Produktion  einfach  alle  diejenige  menschliche ­
  Tätigkeit,  welche  auf  die  Steigerung  der  Wertfähigkeit  der  Güter  gerichtet  ist,
gleichviel,  ob  die  Tätigkeit  in  einer  mechanischen  oder  chemischen  Amgestaltung  oder  —
wie  beim  Bergbau  —  in  einer  Ortsveränderung  in  vertikaler  Richtung  oder  in  etwas
anderem  besteht.  Der  Kandel  nimmt  auch  eine  Ortsveränderung  der  Güter  vor,  aber
in  horizontaler  Richtung.  Diese  Ortsveränderung  verfolgt  den  Zweck,  die  Wertfähigkeit
der  Güter  zu  steigern,  die  Konsumenten  also  zu  einer  höheren  Bewertung  der  Güter
zu  veranlassen.  Nicht  immer  gelingt  das.  Der  Kandel  kann  oft  genug  die  Konsumenten ­
  nicht  dazu  bringen,  die  von  ihm  herangeschafften  Güter  höher  zu  bewerten.
Aber  sehr  häufig  gelingt  es  ihm  aus  ganz  erklärlichen  Gründen.  Bei  der  tatsächlichen
Bewertung  der  Dinge  kommt  es  wesentlich  auf  das  Arteil  der  Konsumenten  an.  Der
Konsument  ist  aber  geneigt,  Dingen,  die  er  zur  Befriedigung  seiner  Bedürfnisse  an
sich  als  geeignet  erachtet  und  deshalb  begehrt,  einen  höheren  Wert  beizulegen,  wenn  sie
in  seinen  Verfügungsbereich  gebracht  sind.  Wer  Seefische  in  Berlin  konsumieren  will,
für  den  haben  die  Fische,  die  in  der  Nordsee  schwimmen,  oder  die  in  Kamburg
lagern,  noch  keinen  Wert,  sondern  nur  eine  noch  nicht  ausgelöste  Wertsähigkeit.  Werden
aber  die  Fische  durch  den  Kandel  nach  Berlin  gebracht  und  hier  dem  Konsumenten
bereitgehalten,  so  sind  sie  an  sich  für  ihn  viel  mehr  geeignet  zur  Bedürfnisbefriedigung
als  vorher,  haben  also  eine  viel  höhere  Wertfähigkeit  in  seinen  Augen,  und  er  ist  auch
bereit,  sie  dementsprechend  höher  zu  bewerten.  Dasselbe  wiederholt  sich  bei  allen  anderen
Bedarfsgegenständen.  Überall  kann  die  Zuführung  an  die  Stätte  des  Bedarfs,  in
den  Verfügungsbereich  des  Konsumenten  eine  Steigerung  der  Wertfähigkeit  und  auch
eine  tatsächliche  höhere  Bewertung  zur  Folge  haben.  Auch  da,  wo  der  Lande!  das
Ziel  nicht  erreicht,  ist  seine  Tendenz  darauf  gerichtet.  Das  gleiche  gilt  dem  Wesen
der  Sache  nach  von  der  Zuführung  der  Güter  in  die  Zeiten  des  Bedarfs.
Da  aber,  wenn  man  das  wesentliche  Merkmal  sucht,  alle  Produttion  in  der  auf
Steigerung  der  Wertfähigkeit  gerichteten  menschlichen  Arbeit  besteht,  so  kann  und  muß
auch  der  Lande!  als  eine  produktive  Tätigkeit  bezeichnet  werden.  Sachgüter  erzeugt
er  nicht,  aber  ihre  Wertfähigkeit  will  er  steigern,  und  damit  sind  alle  Voraussetzungen
erfüllt,  die  vorhin  angegeben  sind.  Daß  der  Kandel  durch  die  Art,  wie  er  sein  Ziel
erreichen  will,  ganz  erheblich  abweicht  von  anderen  Zweigen  der  produktiven  Tätigkeit,
insbesondere  auch  von  der  Sachgütererzeugung,  versteht  sich  von  selbst.  Aber  sein
Ziel  ist  dasselbe  wie  bei  den  übrigen  Arten,  und  darauf  allein  kommt  es  an.  Wenn
man  sich  gewöhnen  wollte,  schärfer  zwischen  Wert  und  Wertfähigkeit  zu  unterscheiden,
wenn  man  insbesondere  die  natürliche  Nutzbarkeit  nicht  schon  als  Gebrauchswert,
sondern  als  Voraussetzung  für  die  Wertschätzung,  als  Wertfähigkeit  behandeln  wollte,
wenn  man  überhaupt  die  ganze  Lehre  vom  Wert  und  von  der  Produktion  mehr  an
die  prattischen  Verhältnisse  anknüpfen  wollte,  so  hätte  die  hier  vertretene  ungezwungene
und  einfache  Auffassung  Aussicht,  sich  allgemein  festzusetzen.  Man  hätte  sie  m.  E.
niemals  verlassen  sollen.
Auf  die  Beantwortung  der  Frage,  ob  der  Kandel  „produktiv"  sei,  hat  man
auch  wohl  eine  bestimmte  Rangordnung  der  wirtschaftlichen  Tätigkeiten  stützen  wollen,
die  dann  oft  dem  Kandel  eine  untergeordnete  Stellung  zuwies.  Faßt  man  aber  das
gemeinsame  Ziel,  die  Steigerung  der  Wertfähigkeit,  ins  Auge,  so  wird  man  solche
Versuche  von  vornherein  als  fruchtlos  und  überflüssig  aufgeben  müssen.
            
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