Einleitung,
langt zu qualitativer Unterscheidung und Entgegensetzung gegen
die Welt der Objekte. Mag die naive Grundanschauung tatsächlich
bis weit in die abstrakte Theorie hinein weiterwirken und
ihre Vorherrschaft behaupten: mit dem Beginn der Wissenschaft
‘st sie mittelbar bereits entwurzelt. Die Aufgabe wandelt sich
nunmehr: sie besteht nicht in der nachahmenden Beschreibung,
sondern in der Auswahl und der kritischen Gliederung, die
an der unübersehbaren Vielheit der Wahrnehmungsdinge zu vollziehen
ist. Die auseinanderstrebenden Anzeigen der Empfindung
werden nicht gleichmässig hingenommen, sondern sie werden derart
gedeutet und umgebildet, dass sie sich zu einer in sich einstimmigen,
systematischen Gesamtverfassung fügen. Nicht mehr
schlechthin das Einzelding, sondern die Forderung inneren Zusammenhangs
und innerer Widerspruchslosigkeit, die der Gedanke
stellt, bildet nunmehr das letzte Urbild, an dem wir die „Wahrheit“
unserer Vorstellungen messen. Kraft dieser Forderung zerlegt
sich das unterschiedslose und gleichförmige „Sein“ der naiven
Auffassung in getrennte Gebiete, grenzt sich ein Bereich der echten,
wesentlichen Erkenntnis von dem Umkreis des „Scheinens“
und der wandelbaren Meinung ab. Der wissenschaftliche Verstand
ist es, der nunmehr die Bedingungen und Ansprüche seiner
eigenen Natur zugleich zum Maasse des Seienden macht. Nach
dem Grund und der Rechtfertigung dieser Ansprüche selbst wird
hier zunächst nicht gefragt; in voller unbefangener Sicherheit
schaltet das Denken mit den empirischen Inhalten, bestimmt es
aus sich heraus die Kriterien und Gesetze, nach denen sie zu
formen sind. In dieser tätigen Bearbeitung der Objekte tritt allmählich
immer deutlicher und bewusster die logischeBestimmung
und Eigenart der Erkenntnis selbst heraus.
Dennoch vermag der Gedanke in dieser ersten naiven Selbstgewissheit,
so bedeutsam und fruchtbar sie sich ihm erweist, nicht
zu verharren. Die Kritik, die er an dem Weltbild der unmittelbaren
Anschauung vollzogen hat, enthält, tiefer gefasst und durchgeführt,
für ihn selbst ein dringliches und schwieriges Problem.
Wenn das Erkennen nicht mehr schlechthin das Abbild der konkreten
sinnlichen Wirklichkeit, wenn es eine eigene ursprüngliche
Form ist, die es allmählich gegenüber dem Widerspruch
und dem Widerstand der Einzeltatsachen der Empfindung durch-