Full text : Die wirtschaftliche Zukunft des Ostens

— 300 —

folonien. Mit diejer Gründung verfolgten die Unhänger der Herrn-Huter
 Brüdergemeinde urjprünglid) den Zwed der Mijlion. Wohlausgerüftet
 mit allem legten bie erjten Anfiedler die Kolonie an. AYderbau,
 Handel und Gewerbe waren von Anfang an als Erwerbszweige
vertreten; die mufterhafte WirtjHaftsführung in Sarepta Jenite bald
die Aufmerkfjamteit auf dieje Niederlallung und bearündete ihren weit
befannten guten Ruf.
Sm Lauf der Jahre haben die Kolonien lich [tark ausgebreitet,
und es find in den Gouvernements Saratow und Samara eine Reihe
von Todhterkolonien entjtanden. Aukerdem fand aber eine weitere
Abwanderung des Bolisüberfhuffes ftatt, und es entjtanden neue Kolonien
 in Südrukland und in Kaukalien; aber aud eine Auswanderung
nad) Amerika und nad) Rullifch-Afien fand in leßter Zeit ftatt. An
der Wolga felbit lebten zu Ausbruch des Weltkrieges als Nadkommen
der erften Anfiedler mehr als 600000 deutjde Kolonilten. Die meilten
von ihnen waren Dorfbewohner; wenig über 30000 Iebten in Den
Städten, vornehmlid in Saratow, das feine Entwidlung nicht zum
wenigiten den Kolonijten verdankt. Neben AWderbau war die Hausindujtrie
 der „Sarpinka“-Weberei ehr verbreitet, aber aud) andere
Gewerbe blühten; die Müllerei in Ddiejer Wolgagegend wurde zum
größten Teil von Deutjden betrieben; aud) im Handel waren die
Kolonijten vertreten. Ihre Agrarverfajfung in den Dörfern war ein
mobifizierter ruflifidher Mir, was den Zujammenhalt förderte, die wirtjhaftlide
 Entwidlung aber hemmte. In der MBorkrieqszeit hatte auch
hier die UWgrarreform begonnen.
Um die Mitte des vorigen Yahrhunderts find im Wolgagebiet
noch) einige Mennonitenkolonien (in der Gegend von Nowo-Ufen]t)
als Anfiedlungen neuer Einwanderer gegründet worden. Ihrer vorbildliden
 Wirtjdhaft wegen, die die Aufmerffamfeit auf Mid) 309, verdienen
 fie Beadtung. — —
Ein weiteres deut[dhes Siedlungsgebiet find die Gegenden
 im Norden des Schwarzen Meeres. Nod) zur Regierungszeit
 Katharinas II. war die Kolonifation diefer den Zürken abgewonnenen
 Landjtride in Angriff genommen worden, und gegen Ende des
18. NYahrhunderts waren in der Gegend der Stadt FJekaterinoflaw
27 Kolonien entjtanden, davon 18 Mennonitenkolonien (1788 gegründet).
 Die großzügig organijierte deutfde Siedlung im nördlihen
Schhwarzmeergebiet fällt aber jdhon in eine zweite Epoche innerer Kolonifation
 in Rukland, zur Regierungszeit AWlexanders I, zu Beginn des
19. Jahrhunderts.
Sm Sahre 1804 wurden in einem Kaiferliden Erlaß die Richtlinien
 für die Anfiedlung fejtgelegt. Frühere Erfahrungen an der
MWolaa hatten manches gelehrt. NYeßt Tollten nur noch mit Kändlicher
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.