Full text: Die Volkszählung vom 1. Dezember 1910 sowie die Ergebnisse der Bevölkerungsaufnahmen in den Jahren 1911 bis 1917 im hamburgischen Staate

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Y. Die Bevölkerung- nach dem Religionsbekenntnis. 
den aus entfernteren Gebieten des Deutschen Reiches 
stammenden und noch mehr bei den aus anderen 
Ländern zugezogenen hiesigen Einwohnern die Zahl 
der Männer meistens stark überwog. 
Die örtliche Verteilung der Bekennt 
nisse innerhalb des Staatsgebietes 
und der Stadt Hamburg ist in dieser Ver 
öffentlichung eingehender behandelt als in den 
früheren Bearbeitungen. Tabelle 27 enthält die 
absoluten Zahlen der Angehörigen der verschiedenen 
Bekenntnisse, und zwar unter Zugrundelegung der 
ortsanwesenden Bevölkerung; außerdem erfahren wir 
für das gesamte Staatsgebiet sowie für die Stadt 
Hamburg insgesamt die auf Grund der Wohnbevölke 
rung berechneten Zahlen. Die ergänzende Übersicht 
in Tabelle 27 bringt ferner die Prozentanteile der 
verschiedenen Bekenntnisgruppen an der Bevölke 
rung der einzelnen Stadt- und Gebietsteile auf 100 
Personen der ortsanwesenden Bevölkerung. Die 
Verhältniszahlen für die Wohnbevölkerung sind 
auch hier wieder für Staat sowohl wie Stadt ins 
gesamt berechnet worden. 
Die im Staate mit 90,89 % der ortsanwesenden 
und 91,08 % der Wohnbevölkerung vertretenen 
Evangelisch-Lutherischen wiesen mit 
95,43 % der ortsanwesenden und 95,47 % der Wohn 
bevölkerung einen bedeutend höheren Anteil der 
Bevölkerung im Landgebiet auf. Hier trat die 
genannte Bekenntnisgruppe vor allem in den 
Landherrenschaften der Marschlande mit 97,87 % 
der Ortsanwesenden besonders stark hervor, 
während die Landherrenschaft Ritzebüttel mit 
93.81 % eine verhältnismäßig niedrige Anteils 
ziffer aufwies, obwohl gerade hier die Be 
völkerung von nicht weniger als fünf Ortschaften 
ausschließlich der ev.angelisch-lutherischen Kon 
fession angehört. Den Ausschlag gibt hier die Stadt 
Cuxhaven wegen der dortigen Garnison. In der 
Stadt Hamburg stand der kleine Stadtteil Stein- 
wärder mit 97,03 % an erster Stelle. Groß war der 
Anteil ferner in Horn (94,67 %), Winterhude 
(94.47 %) und Eilbeck (93.53 %); auch im Jahre 
1905 wurden in diesen Stadtteilen die höchsten Ver 
hältniszahlen ermittelt. Die sehr niedrigen Anteils 
zahlen der Stadtteile Rotherbaum (75,32 %), Har 
vestehude (77,57 %) und Neustadt-Süd (89,41 %), 
die auch in früheren Jahren beobachtet wurden, sind 
auf eine Bevorzugung dieser Stadtteile durch die 
jüdische Bevölkerung zurückzuführen. Die niedrige 
Anteilszahl der Veddel (76,58 %) erklärt sich aus der 
zur Zählungszeit in den dortigen Auswandererhallen 
anwesenden großen Zahl von Auswanderern katholi 
schen und jüdischen Bekenntnisses. Auf den Schiffen 
im Hafen bestand die Besatzung zu 88,38 % aus 
Evangelisch-Lutherischen. 
Von den Katholiken kamen 5,03 auf 100 
ortsanwesende Bewohner im Staatsdurchschnitt 
(1905: 4,64). Der Anteil der Katholiken an der 
Wohnbevölkerung des gleichen Gebiets war etwas 
geringer und betrug 4,91 %. Die Verteilung der 
Katholiken auf die größeren Gebiete wies im Stadt 
gebiet einen Anteil von 5,17 %, im Landgebiet einen 
solchen von 3,45 % der ortsanwesenden und von 
5,04 % bzw. 3,41 % der Wohnbevölkerung auf. Ein 
größerer Prozentsatz läßt sich in der Stadt Bergedorf 
(5.86 %) infolge des dort errichteten katholischen 
Waisenhauses und in der Stadt Cuxhaven (6,19 %) 
wegen der dortigen Garnison beobachten. Im 
allgemeinen drängten sich die Katholiken im Gegen 
satz zu den Evangelisch-Lutherischen, die im Land 
gebiet größere Anteilszahlen aufwiesen, mehr im 
Stadtgebiet zusammen. Hier waren sie, wenn man 
von den Zufallsziffern der Veddel absieht, besonders 
häufig in Stadtteilen vertreten, in denen oder in 
deren Nähe sich eine katholische Kirche befindet; 
auch Bezirke mit verhältnismäßig viel Handarbeitern 
wiesen größere Anteilsziffern auf. Altstadt-Nord 
(8,45 %), St. Georg-Nord (8,29 %), Neustadt-Nord 
(8,13 %) und Billwärder Ausschlag (7,09 %) sind 
besonders hervorzuheben. Auch die Besatzung der 
Schiffe im -Hafen mit 6,83 % gehört zu diesen 
Gebieten. 
Mehr noch als die Katholiken häuften sich die 
Israeliten im Stadtgebiet an. Während die 
Durchschnittsziffer für den Staat 1,92 % betrug 
(1905: 2,24 %), wurden im Stadtgebiet 2,07 %, im 
Landgebiet aber nur 0,21 % der ortsanwesenden 
Bevölkerung als Israeliten ermittelt. Die Durch 
schnittsziffer für die Stadt wurde in den Stadtteilen 
Rotherbaum (17,88 %) und Harvestehude (15,70 %) 
erheblich überschritten. Seit dem Jahre 1905, in 
dem die Verhältniszahlen 18,58 % bzw. 15,58 % 
betrugen, ist ein Rückgang der Anteilsziffer in 
diesen Stadtteilen nicht zu verkennen. Auch Neu 
stadt-Nord zeigte mit 3,89 % gegen 5,33 % (1905) 
eine Abnahme des hohen Prozentsatzes. Eppendorf 
dagegen und Hohenfelde wiesen mit 2,38 % und 
1,24 % gegen 1,87 % bzw. 1,15 % ein Steigen der 
Anteilsziffern auf. Auf die Zufallsziffer der Veddel 
7,80 % wurde schon oben hingewiesen. In den 
übrigen Stadtteilen blieben die Anteilsziffern unter 
dem Stadtdurchschnitt. Auf den Schiffen im Hafen 
wurden 0,01 % Israeliten ermittelt. Die folgende 
Zusammenstellung läßt die Verteilung der genannten 
Bekenntnisse auf größere Gebietsteile des ham- 
burgischen Staates sowie vornehmlich ihre Ge 
schlechtszusammensetzung deutlich erkennen. Von 
100 ortsanwesenden Personen überhaupt waren 
evang.-luth. katholisch israelitisch 
Stadt 90,48 5,17 2,07 
Land 95,43 3,45 0,21 
Staat 90,89 5,03 1,92 
Von 100 männlichen ortsanwesenden Personen 
waren 
evang.-luth. katholisch israelitisch 
Stadt 88,84 6,37 2.05 
Land 94,09 4,57 0,25 
Staat 89,29 6,21 1,90 
Von 100 weiblichen ortsanwesenden Personen 
waren 
evang.-luth. katholisch israelitisch 
Stadt 92,09 4,00 2,09 
Land 96,90 2,21 0,17 
Staat 92,47 3,86 1,94 
Einen Ausweis über die Religionszugehörigkeit 
der zusammenlebenden Ehepaare im hamburgischen
	        
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