Object: Theorie der forstlichen Oekonomik

Produktionsfaktoren der Forstwirtschaft. 
Zeil. 
Für einen nichtzünftigen Volkswirtschaftler ist es mißlich, neben den 
anerkannten Produktionsfattoren Boden, Kapital und Arbeit, zu denen nach 
einigen noch die Naturmaterialien kommen, als weiteren Produktionsfaktor, 
zunächst in der Forstwirtschaft, die Z e i t bezeichnen zu wollen. Die Forst- 
wirtschaft nimmt gegenüber allen anderen Wirtschaftszweigen insofern eine 
Sonderstellung ein, als sich der Produktionsprozeß über sehr lange Zeit- 
räume, häufig länger als ein Jahrhundert, hinzieht. Nun ist allerdings 
klar, daß die Zeit für sich allein keine Produkte irgendwelcher Art 
erzeugen kann; es muß vielmehr immer einer oder mehrere der übrigen 
Produktionsfaktoren mit der Zeit zusammenwirken. Aber auch die übrigen 
Produktionsfaktoren sind ja fast niemals für sich allein, sondern in Verbin- 
dung miteinander und in Abhängigkeit voneinander wirksam. In der Jorst- 
wirtschaft ist die Produktion in so ausgesprochenem Maße von der Zeit 
abhängig, daß die Auffassung der Zeit als eines besonderen Produktions- 
faktors vielleicht berechtigt sein dürfte. 
Immerhin ist die Forstwirtschaft nicht von jeder anderen Wirtschaft 
so grundsätzlich verschieden, daß ein in der Forstwirtschaft wirksamer 
Produktionsfaktor nicht auch in anderen Wirtschaftszweigen als solcher 
aufgefaßt werden könnte. Wir wollen also zunächst untersuchen, ob die 
Möglichkeit einer solchen Auffassung auch sonst in der Wirtschaft besteht. 
Die Begrisfsbestimmung der Produktionsfaktoren ist in der Literatur 
verschieden!). Wenn wir, in wörtlicher Auslegung des Begriffes, als 
Produktionsfaktoren diejenigen die Produktion verursachenden Elemente 
ansehen, die Gegenstand wirtschaftlicher Erwägungen sind, so fügt sich dieser 
Begriffsbestimmung auch die Zeit ohne weiteres ein. Den in der Produktion 
frei mitwirkenden Gütern und Kräften der Natur, wie Luft, Licht, Wärme 
usw., die nicht als Produktionsfaktoren zu gelten haben, ist die Zeit nicht 
zuzuzählen, da sie dem wirtschaftenden Menschen nicht unbegrenzt zur 
Verfügung steht; die Zeitdauer des Produktionsprozesses wird in sehr 
vielen Fällen Gegenstand wirtschaftlicher Erwägungen sein müssen;, die 
verbrauchte Zeit ist ein Element der Produktionskosten, Zeitersparnis ist 
1) Z. B. bezeichnet C a s s e l (Theoretische Sozialökonomie, 3. Aufl., S. 149) 
als Produktionsfaktoren die „Haupttypen der elementaren Produktionsmittel“. 
Nach v. Ph ili pp o v i < (Grundriß der Politischen Ökonomie, ]. Bd., 18. Aufl., 
S. 140) sind Produktionsfaktoren „die Bestandteile jeder Produktion, welche als 
Kosten mit bestimmten Werten in die Produktion eingehen, und welchen daher 
vom Ertrage ein Wertanteil zugerechnet werden muß“. 
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