Full text: Tote und lebendige Wissenschaft

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bandes oder Standes im weitesten Sinne ist: die gliedhafte Zu 
sammenfassung von verhältnismäßig Gleichen; sowie die daraus 
folgende verhältnismäßige „Gleichheit unter Gleichen". Wesent 
lich ist aber dabei (um dies abermals hervorzuheben), daß die 
körperschaftlichen Verbände sowohl abgestufte, wie andererseits 
innerhalb gewisser beweglicher Grenzen doch festgelegte Be 
ziehungen zueiander haben, wodurch diese Wirtschaftsform erst 
ihren mehr hierarchischen, d. i. eben im weitesten Sinne des 
Wortes ständischen, Charakter gewinnt. 
Ständisch gebunden, so können wir zusammenfassend sagen, 
ist im weiteren Sinne des Wortes jede Wirtschaft, die in ver 
hältnismäßig gleichartige, zunftähnliche oder in anderer Weise 
verbandlich gestaltete Wirtschaftskreise gegliedert ist, in der 
die Unterganzen im Innern enger gebunden und abgestuft, 
nach oben hin aber loser gebunden sind. So sind die Zünfte 
vor allem im Innern gebunden durch Zahl der Meister, Ge 
sellen, Vorschriften über Güte und Preis der Ware oder Be 
einflussung der Technik. Sie sind aber nicht in jeder Einzel 
heit gebunden (also in keinem Punkte feste „Planwirtschaft"), 
sondern haben überall für Fleiß und Lohn, namentlich aber in 
Bezug auf die Güte ihrer Erzeugnisse einen freien Spielraum. 
Die Bindung nach außen hin ist noch beweglicher, indem jede 
einzelne Zunft in der Gesamtheit aller Zünfte, bzw. im Ganzen 
der Stadtwirtschaft, auf eine verhältnismäßig freie Auseinander 
setzung mit den anderen Zünften und stadtwirtschaftlichen Ge 
walten angewiesen ist. Das Gesamtganze der „Stadtwirtschaft" 
ist dann wieder durch die noch beweglicheren Verbindungen 
in gebietsmäßige und weltmarktmäßige Überganzheiten ein 
gefügt, wie sie durch Messen, Märkte, Fernhandel, gemeinsame 
oder freie Rohstoffeinfuhr, Zölle, Stapelrechte usw. vermittelt 
wurden. 
Wie die zunftartigen, so sind auch die „hauswirtschaftlichen", 
d. h. gutswirtschaftlichen, grundherrlichen Gebilde der Wirt-
	        
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