DIE WERBEAKTION „DER AUFMERKSAME EHEMANN“ 583
ERZIEHUNG ZUM AUFMERKSAMEN EHEMANN
Ein sonniger Sonntagnachmittag. Die erzenen Stimmen der Kirchen-
ühren hatten soeben die dritte Stunde verkündet. Am Anfangspunkt der
elektrischen Bahn, die zum beliebten Ausflugsort Schloß Solitude führt,
trafen sich unerwartet zwei junge Ehepaare. Nach der herzlichen
Begrüßung fragte Elly Plaut die schlanke Freundin Eva Kühnreich,
nachdem sie deren etwas blasses, nervöses Gesicht lange gemustert hatte:
„Bist du krank, Eva? Du siehst nicht gut aus! Deine matten Augen
und der nervöse Zug um den Mund gefallen mir nicht.“
„Ich bin nicht krank, Elly“, wehrte Eva, mit einem hastigen Seiten-
blick auf ihren Mann, ab. „Nur etwas abgespannt. Bei der Kocherei
wollte es heute nicht klappen. Es war auch unerträglich heiß in der
Küche. Unsere Minna hatte Ausgang. Sie ließ mich schon um 11 Uhr
sitzen, weil sie mit ihrem Schatz einen Ausflug macht.“
Elly Plaut griff spontan nach der Hand ihres Mannes und streichelte
sie zärtlich. „Hast du gehört, Ewald? Sieh dir das sonst so blühende
und rosige Evchen an. Wie danke ich dir. du Guter, daß du mich Sonn-
tags nicht in die Küche bannst.“
Eva horchte auf. „Wie meinst du das, Elly? Sonntags nicht in die
Küche bannst? Habt ihr euch Sonntags etwa das Essen abgewöhnt und
lebt nur von der Luft und der Liebe?“
Auch der elegante Heinz Kühnreich blickte die reizende Freundin
seiner jungen Frau, die er nur flüchtig kennengelernt hatte, interessiert
ınd fragend an.
„Ganz im Gegenteil“, lachte Elly. „Wir essen Sonntags besser und
vornehmer als an den Wochentagen. Aber ich habe das Glück gehabt,
an einen aufmerksamen Ehemann zu geraten.“
„Also ich bin kein aufmerksamer Ehemann?“ fragte Heinz lachend.
Doch es schwang ein Unterton von Unsicherheit und Gereiztheit mit.
„Die Frage will ich nicht unbedingt bejahren‘“, erwiderte Elly und
zögerte etwas. „Ich weiß, daß Sie Eva jeden Wunsch erfüllen, ihr
Samstags Blumen, Schokolade und Kuchen für den Sonntag mitbringen.
Eva geht auch sehr elegant gekleidet. Aber sehen Sie sich das Gesichter}
Ihrer sonst so rosigen Frau an: Abgespannt, nervös und um die Augen
liegt ein müder Zug. Warum? Weil Evchen den ganzen Sonntag-
Morgen in der heißen und dunstigen Küche hantieren mußte, damit der
tens Eheherr ein besonders leckeres Sonntagsmahl schnabulieren
Onne.‘“‘
„Hm!“ brummt Heinz. „Das sagen Sie so in Ihrem jugendlichen Leicht-
sinn, Der Braten war aber angebrannt und an die Forellen war zuviel
Salz geraten.“
„Weil ich ganz allein war und mit meinen beiden Händen nicht überall
zugleich sein konnte“, warf Eva hastig ein. „Während ich dir die
Krawatte binden mußte, brannte der Braten an.“
Elly lachte ihren Gatten an, der sichtlich amüsiert zuhörte, und bat:
„Nun rede du, Ewald. Du siehst, diese junge Frau ist noch nicht auf-
raiTt Auch ihr 1.80 m hoher Gatte ist es noch nicht. Sage es diesen
ern