Full text: Meyer Amschel Rothschild, der Gründer des Rothschildschen Bankhauses

sich zu betragen. Würde sich wider Verhütten ein oder das andere 
meiner Kinder beigehen lassen, dieser meiner väterlichen Willens 
meinung nicht nachzukommen, oder meine Söhne in deren Hand 
lung zu stören, so soll dieses pflichtvergessene Kind nur in den 
Pflichttheil, wohin alles dasjenige aufzurechnen ist, was dasselbe 
bereits bei meinen Lebzeiten an Ausstattung und sonst erhalten, 
eingesetzt seyn, und der Uiberrest meinen übrigen Kindern zufallen; 
wobei ich ausdrücklich bemerke, daß der nach dem Napoleonischen 
Gesetzbuch zu berechnende Pflichttheil durch mein gegenwärtiges 
Vermögen von Einmal Hundert und Neunzig Tausend Gulden mit 
Zurechnung dessen, was einjedes meiner Kinder bereits bei meinem 
Leben erhalten, so wie dem Werth des in dem Nutzgenuß meiner 
Ehegattin verbleibenden Mobiliare sich ergiebt. 
Nachdem ich dieses mein wohlgemeintes und gewissenhaftes Testa 
ment reiflich und mehrmalen erwogen und überlesen habe, so habe 
ich solches eigenhändig unterschrieben und besiegelt. So geschehen 
Frankfurt den Siebenzehenten Septembr Ein Tausend Acht Hundert 
und Zwölf. 
Nachträglich verordne ich auf die kurze annoch dauernde Minder 
jährigkeit meines Sohns Jacob, meine beide Söhne Amschel und 
Salomon zu Beiständen und respee Beivormünder nebst der natür 
lichen Vormundschaft meiner Ehefrau. Geschehen wie oben. 
L. S. 
Mayer Amschel Rothschild. 
Ich verordne ferner nachträglich, daß das von mir noch nicht ver 
gebene Ein Quart meines Hauses NIL 148 in der Judenstraße mein 
Sohn Amschel als der älteste meiner Söhne zu seinem bereits bei 
seiner Heurath schon erhaltene Ein Quart als ein Prälegat be 
kommen soll, jedoch ohnbeschadet der meiner Ehefrau gebühren 
den Oberhand. 
Mayer Amschel Rothschild. 
eröfnet den 23. Septembris 1812. 
J. W. Metzler. 
Director.
	        
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