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war. Allerdings können wir denselben nicht ziffernmäßig bestimmen,
das Vermögen kann 150 000 fl, es kann auch 200 000 fl betragen
haben, sicherlich aber nicht weniger als 100 000 fl.
Bessere Anhaltspunkte für eine ziffernmäßige Schätzung bieten
sich in den neunziger Jahren. Schon die damalige Schatzung deutet
auf eine erhebliche Vermehrung. Rothschild war seit seiner Ver
heiratung Mitglied der Israelitischen Gemeinde, wurde aber erst
im Jahre 1773 als solches eingeschrieben und besteuert 32 . Sein
Vermögen war damals auf 2000 fl veranschlagt, und in dieser
Schatzung blieb er 22 Jahre lang. Der entsprechende Steuersatz
betrug 11 fl 20 kr und seit 1782 13 fl. Im Jahre 1795 sah man
sich veranlaßt, seine Schatzung zu verdoppeln, und im folgenden
Jahre kam er sogar mit einem Steuersatz von 55 fl 10 kr in die
höchste Schatzung, zu der diejenigen gehörten, die 15 000 fl oder
mehr besaßen 33 . Natürlich bedeuten diese Daten gar nichts für die
Höhe des wirklichen Vermögenstandes, sie sind aber insofern von
Interesse, als sie gewissermaßen Abstufungen der öffentlichen
Meinung darstellen. Wenn Rothschild länger als 20 Jahre in der
selben Steuerklasse blieb, dann auf das Doppelte und nach weiterem
Verlauf eines einzigen Jahres auf ein vielfach höheres Vermögen
eingeschätzt wurde, so bedeutet dies, daß um jene Zeit Symptome
zutage traten, die seine Vermögenslage in ganz neuem Lichte er
scheinen ließen.
Am 28. Oktober 1795 heiratete die älteste Tochter Rothschilds,
Charlotte, den Handelsmann Benedikt Moses Worms. Sie erhielt
eine bare Mitgift von 5000 fl 24 ff und zwei Jahre lang freie Kost
und Wohnung. Außerdem wurde ihr „aus väterlicher Güte“ 84 ein
halbes männliches Erbteil zugesichert, das 10 000 fl betragen sollte,
7000 fl beim Ableben des Vaters, 3000 fl beim Ableben der Mutter.
Wer so viel Kinder hat wie Rothschild und seine Töchter in dieser
Weise aussteuern kann, muß mehr als 15 000 fl besitzen. Kein
Wunder also, daß Rothschild im folgenden Jahre in die höchste
Schatzung trat. Die Zahl der Kinder hatte sich nämlich inzwischen
um fünf vermehrt, es waren fünf Söhne und fünf Töchter vorhanden,
und man muß annehmen, daß jeder nachgeborenen Tochter die
gleiche Mitgift und die gleiche Erbschaft wie der ältesten vorbehalten
blieb, für alle fünf Töchter also 75 000 fl vorhanden waren.
Ein Jahr später, am 16. November 1796, verheiratete sich
der älteste Sohn Amschel Mayer mit Eva Hanau. Er war damals