23 Jahre alt. Der zweite Sohn, Salomon Mayer, war nur ein Jahr
jünger, der dritte, Nathan Mayer, zählte 19 Jahre und die zweite
Tochter, Belche genannt Isabella, 15 Jahre.
Diese Familienverhältnisse muß man sich auch dann vor
Augen halten, wenn man eine Vorstellung von Rothschilds Geschäfts
betrieb gewinnen will. Dieser hatte bis zuletzt einen stark
patriarchalischen Charakter. Wenn der jüngste Sohn James Mayer
vor Gericht aussagt, daß er im Jahre 1808 mit sechzehn Jahren
als Gehilfe bei seinem Vater eintrat, so darf man hierauf und auf
andere bezügliche Nachrichten die Vermutung gründen, daß auch
die beiden ältesten Söhne schon in jungen Jahren im Geschäft des
Vaters tätig waren. Auch wurde der Flor des Hauses Rothschild
durch die Mithilfe der Söhne kräftig emporgetrieben. Die Schwieger
töchter und die unverheirateten Haustöchter wurden ebenfalls zu
Hilfsleistungen, und zwar auf Vertrauensposten herangezogen. Noch
im Jahre 1809, als Rothschild 65 Jahre zählte, hatte das Geschäft
keinen eigentlichen Kassierer. Die Kasse wurde damals im wesent
lichen von der noch unverheirateten Tochter Jettgen (Henriette), die
achtzehn Jahre alt war, ferner von den Frauen Amschel Mayers
und Salomon Mayers sowie von deren Schwestern versehen. Diese
Gehilfinnen zahlten abwechselnd auf Wechsel und Anweisungen
der einheimischen Kaufleute die Gelder aus, schrieben die aus
gezählten Summen auf ein Blatt Papier und reichten dieses zwecks
Buchung abends in das Kontor. Alle diese Verhältnisse sind auch
für die Erklärung des Rothschildschen Vermögensstandes und dessen
Wachstum nicht unwesentlich. Rothschilds Kindersegen bedeutete
in späteren Jahren zugleich ein Stück materiellen Reichtums. Denn
Verwandte arbeiten regelmäßig zuverlässiger und billiger als Fremde,
und was sie erübrigen, kommt in unserm Fall dem Geschäftsvermögen
zugute. Wo jedoch die Fähigkeiten oder Kenntnisse der Söhne
und Töchter nicht ausreichten, da scheute sich der alte Rothschild
keineswegs, auch einen Vertrauensposten mit einer fremden Kraft
zu besetzen, und war klug genug, sich den allertüchtigsten Mann
auszusuchen und ihn angemessen zu besolden. Im Jahre 1795
bestellte er einen Fachmann erster Qualität, den ‘edel gesinnten
und kenntnisreichen Seligmann Geisenheimer, als ersten Buchhalter.
Derselbe war des Französischen, Englischen, Italienischen und
Spanischen mächtig und muß den Rothschild, die in fremden
Sprachen völlig unkundig waren, nützliche Dienste geleistet haben.