Full text : Meyer Amschel Rothschild, der Gründer des Rothschildschen Bankhauses

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um  60  000  fl  erhöht  wurde.  Unmittelbar  vor  Abschluß  des  Vertrags
würde  demnach  Meyer  Amschels  Anteil  490  000  fl,  derjenige  der
beiden  ältesten  Söhne  250000  fl,  also  etwas  mehr  als  die  Hälfte
von  demjenigen  des  Vaters  betragen  haben  37 .  Übertragen  wir  dieses
Verhältnis  auf  das  Jahr  1796,  so  erhalten  wir  als  Totalsumme  des
Geschäftsvermögens  rund  491  000  fl  24  ff.  Da  das  Rothschildsche
Familienhaupt  aber  in  Geldsachen  mit  größter  Vorsicht  zu  Werke
ging,  so  ist  eher  anzunehmen,  daß  sein  damaliges  Gesamtvermögen
die  von  uns  berechnete  Summe  noch  übertraf 38 .
Jedenfalls  war  das  Rothschildsche  Geschäftshaus  im  Jahre  1796
auf  eine  Basis  gestellt,  die  von  derjenigen  des  Jahres  1785  sich  wesentlich ­
  unterschied,  ln  der  Mitte  der  achtziger  Jahre  war  Meyer  Amschel
nur  ein  wohlhabender  Mann,  dessen  Geschäft  hauptsächlich  auf
seinen  eigenen  Schultern  ruhte.  Ganz  anders  lagen  die  Verhältnisse
im  Jahre  1796.  Nach  ihrem  Vermögensstand  zählte  die  Familie
Rothschild  nunmehr  zu  den  Reichen.  In  ihrem  Geschäft  waren  außer
dem  Gründer  noch  vier  erstklassige  Persönlichkeiten  tätig,  zwei  als
Teilhaber,  alle  von  unbedingter  Zuverlässigkeit,  einige  ganz  hervorragend ­
  in  spezifisch  geschäftlicher  Fähigkeit.  In  dieser  Situation
war  es  ein  entschlossenes,  aber  kein  abenteuerliches  Unternehmen,
wenn  der  dritte  Sohn  Nathan  Mayer  zwei  Jahre  später 39  sich  von
den  Launen  des  englischen  Musterreiters  emanzipierte  und,  ohne
der  Landessprache  kundig  zu  sein,  selbst  nach  England  ging,  um
die  Produkte  des  Landes  an  Ort  und  Stelle  einzukaufen.  Damals
muß  das  Rothschildsche  Gesamtvermögen  über  eine  halbe  Million
Gulden  betragen  haben,  und  da  Nathan  Mayer  von  Haus  aus  großzügiger ­
  angelegt  war  als  sein  vorsichtiger  Vater,  so  nahm  er  unverhältnismäßig ­
  viel  Geld  mit.  Seine  Summe  betrug,  wie  gesagt,
20  000  £,  das  sind  rund  225000  fl  24  ff.  Natürlich  hat  er  die  Summe
nicht  auf  ein  Mal  mitgenommen,  denn  so  viel  Barschaft  konnte  in
einer  rationell  geführten  Warenhandlung  nicht  vorhanden  sein.  Vielmehr ­
  hat  er  die  Summe  nach  und  nach  in  Raten  empfangen  und
gleichzeitig  durch  Warenlieferungen  Abzahlungen  geleistet.  Auch
kann  nur  ein  kleiner  Teil  von  diesem  Fonds  sein  durch  Mitarbeit
erübrigtes  Kapital  ausgemacht  haben,  jedenfalls  nicht  mehr  als
50  000  fl.  Das  übrige  kam  aus  dem  Geschäftsvermögen  der  drei
Teilhaber  und  machte  mehr  als  ein  Drittel  desselben  aus,  ein  schöner
Beweis  für  das  Vertrauen,  welches  die  älteren  Herren  auf  den  jugendlichen ­
  Mitarbeiter  setzten.  Da  dieser  nun  mit  dem  ihm  anvertrauten
            
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