Full text : Meyer Amschel Rothschild, der Gründer des Rothschildschen Bankhauses

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Betriebskapital  zunächst  ganz  unabhängig  wirtschaftete  und  noch
im  Jahre  1810  mit  dem  Frankfurter  Mutterhaus  nicht  vollständig
abgerechnet  hatte,  so  kann  sein  Fonds  bei  der  Beurteilung  von
seines  Vaters  Leistungsfähigkeit  ums  Jahr  1800  nur  teilweise  in
Betracht  kommen.  Man  möchte  aber  glauben,  daß  Meyer  Amschel
schon  um  das  Jahr  1796  gut  imstande  gewesen  sei,  zum  Bankgeschäft ­
  großen  Stils,  dem  eigentlichen  Anleihegeschäft,  überzugehen.
Doch  darf  man  nicht  vergessen,  daß  damals  und  bis  zum  Jahre  1810
sein  Handlungsfonds  noch  wesentlich  aus  Waren  bestand.  Man  wird
ferner  annehmen  müssen,  daß  er  anfangs  auch  technisch  zu  tief
im  Warenhandel  steckte,  um  Geldgeschäfte  großen  Umfangs  übernehmen ­
  zu  können.  Wenn  er  trotzdem,  und  obgleich  inzwischen
eine  Abzweigung  des  Handlungsfonds  nach  England  stattgefunden
hatte,  im  Jahre  1801  zum  erstenmal  ein  wirkliches  Anleihegeschäft
übernahm,  so  hatte  das  seine  ganz  besondere  Bewandtnis.  Meyer
Amschel  war  ebenso  vorsichtig  wie  in  der  Verfolgung  seiner  Ziele
ausdauernd  und  zäh.

Rothschilds  Geldhandel  von  1801  bis  1806.
Im  Jahre  1788  hatte  Rothschild,  wie  oben  ausgeführt,  sich  dem
Landgrafen  von  Hessen  wieder  genähert.  Im  Jahre  1792  wurde  der
Oberkriegskommissar  Buderus,  früher  Obereinnehmer  bei  der  Landkasse ­
  in  Hanau,  nach  Kassel  versetzt  und  als  Rechnungsführer  bei
•  der  dortigen  Oberrentkammerkasse  bestellt,  ein  Finanzmann,  auf
dessen  Urteil  der  Landgraf  großes  Gewicht  legte  und  den  er  1793
zum  Kriegszahlmeister,  1795  zum  Kriegsrat,  1802  zum  Kriegszahlamtsdirektor ­
  und  Kabinettskassendirektor,  1806  zum  Geheimen
Kriegsrat  ernannte.  Buderus  hatte  mehrfach  Reisen  nach  Frankfurt
zu  machen,  um  dort  englische  Wechsel  zu  verkaufen.  Bei  dieser
Gelegenheit  kam  er  mit  Rothschild  von  neuem  in  Beziehung,  und
dieser  wird  das  seinige  getan  haben,  um  sich  Buderus’  Empfehlung
beim  Landgrafen  zu  sichern.
Der  Landgraf  war  der  größte  Kapitalist  seiner  Zeit.  Da  er
aber  alles  darauf  anlegte,  nicht  als  reich,  sondern  als  arm  zu  gelten,
so  war  er  geneigt,  seine  flüssigen  Kapitalien  auch  auf  Umwegen
auszuleihen,  und  so  fand  Rothschild  Gelegenheit,  Anleihen  zu  bewirken, ­
  die  nicht,  wie  gewöhnlich,  ein  großes  Risiko  auf  die  Person
des  Unternehmers  bürdeten,  sondern  von  vornherein  völlig  gesichert
            
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