Full text : Finanzwissenschaft

I.  Abschnitt.  Allgemeine  Lehren.

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getroffener  prinzipieller  Entscheidung,  nach  Ort,  Zeit  und  anderen
Umständen  für  die  Erfüllung  des  Staatszweckes  gesorgt  werden
soll,  das  Verhältnis  der  einzelnen  Ausgaben  zur  Gesamtausgabe,  deren
Verhältnis  untereinander,  deren  Beziehungen  zu  den  Einnahmen,  ob
dieselben  aus  den  ordentlichen  oder  außerordentlichen  Einnahmen
zu  decken  sind  usw.
Folgt  schon  hieraus,  daß  die  Finanzwissenschaft  auch  auf  die
Staatsausgaben  Rücksicht  nehmen  muß,  so  fällt  hier  noch  der  Umstand
ins  Gewicht,  daß  ja  ein  vollständiges  Bild  vom  Staatshaushalte  nur
dann  gewonnen  werden  kann,  wenn  auch  die  Ausgaben,  die  Staatszwecke, ­
  bekannt  sind.  Ja,  man  könnte  mit  einem  vielleicht  paradox
scheinenden  Satz  sogar  aussprechen,  daß  die  Wissenschaft  der  Finanz
selbst  die  Einnahmen  nicht  richtig  darstellen  könnte,  wenn  sie  nicht

hinsichtlich  der  Staatszwecke  orientiert  ist.
So  sehen  wir  denn,  daß  in  neuerer  Zeit  immer  mehr  Autoren
auch  die  Staatsausgaben  in  das  Bereich  der  Untersuchung  ziehen,
ja  es  gibt  sogar  deren,  die  jetzt  zu  sehr  nach  dieser  Seite  neigen,
indem  sie  sich  darauf'  berufen,  daß  ja  der  Staatshaushalt  seinem
Wesen  nach  Verbrauch  von  Staatsleistungen  ist,  die  in  den  Ausgaben ­
  sich  widerspiegeln.  Demgegenüber  muß  wiederholt  betont
werden,  daß  die  Staatshaushaltslehre  nicht  in  der  Lage  ist,  die  auf
die  Staatszwecke  und  auf  deren  Befriedigung  bezüglichen  prinzipiellen ­
  Fragen  zu  entscheiden  und  daß  daher  unsere  Wissenschaft
nur  mit  der  finanziellen  Seite  der  Ausgaben  sich  befassen  kann.
Die  Finanzwissenschaft  wird  daher  nach  Entscheidung  der  Prinzipien ­
  sich  darauf  beschränken,  zu  untersuchen,  wie  groß  der  Staatsbedarf ­
  ist,  wie  derselbe  am  zweckmäßigsten  zu  befriedigen  ist.
welches  Verhältnis  zwischen  den  Ausgaben  angestrebt  werden  so  1.
wie  die  Bedarfsbefriedigung  der  Zeit  nach  verteilt  werden  so  .
welche  Reihenfolge  in  der  Befriedigung  gewisser  Bedürfnisse  befolgt
werden  soll,  ob  die  Staatsausgaben  eine  steigende  oder  sinkende
Tendenz  zeigen  und  was  die  Ursache  dieser  Tendenz  usw.
Schon  Stein  fügt  seiner  Finanzwissenschaft  eine  Untersuchung
der  Staatsausgaben  ein.  Wenn  er  auch  die  einzelnen  Gruppen  der
Ausgaben  nur  kurz  darstellt,  so  sind  wir  ihm  um  so  dankbarer  für
die  allgemeine  Theorie  der  Ausgaben.  Die  Ausgaben  sind  nach
Stein  das  in  Geld  ausgedrückte  System  der  Bedürfnisse  des  Staates
und  bietet  das  Bild  der  eigentlichen  Staatsarbeit  in  Europa.
Er  betrachtet  die  Lehre  von  der  richtigen  V  erwendung  der
Ausgaben  auf  Grund  fachmännischer,  technischer  Bildung  als  selbständigen ­
  Zweig  der  Wissenschaft,  den  er  die  ^6  Rameralwissenschaft
  nennt,  als  deren  neue  Gebiete  er  das  öffentliche  Bauwese
            
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