Full text : Finanzwissenschaft

B.  VII.  Abschnitt.  Die  Steuerüberwälzung.

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jetzt  aber  unter  dem  Drucke  der  Steuerlast  und  bei  dem  Streben,
die  Steuer  zu  überwälzen,  die  wirkliche  Marktlage  erkennen.  Unter
allen  Umständen  liegt  der  Schwerpunkt  des  Steuerüberwälzungsproblems ­
  auf  dem  Gebiete  der  Preistheorie  und  ist  als  ein  Spezialfall ­
  der  Preisbildung  zu  betrachten.  Auf  dem  Gebiete  der  Besteuerung ­
  ist  natürlich  danach  zu  trachten,  daß  möglichst  solche
Steuern  gewählt  werden,  die  von  jenen,  die  deren  Träger  sein
sollen,  nicht  überwälzt  werden  können.
Die  Steuerüberwälzung  ist  demnach  in  vielen  Fällen  eigentlich
eine  Fiktion,  in  anderen  Fällen  bloß  ein  auslösender  Faktor.  Überdies ­
  ist  zu  konstatieren,  daß  sich  die  Steuerüberwälzung  in  den
meisten  Fällen  überhaupt  nicht  verfolgen  läßt. 1 )  Unter  der  Decke
der  auf  dem  Markte  sich  vollziehenden  Preisbewegungen  sich  vollziehend ­
  berührt  sie  in  verschiedenster  Bichtung  die  Wellen  der
Preisbewegung.  Sie  macht  sich  bald  in  der  B-ichtung  vom  Produzenten ­
  zum  Konsumenten,  bald  in  der  Bichtung  vom  Konsumenten
zum  Produzenten  geltend,  überdies  noch  kompliziert  durch  die  Teilnahme ­
  des  Handels  und  anderer  Mittelspersonen  im  Preiskampfe.
Auch  deshalb  läßt  sich  die  Gestaltung  der  Überwälzung  schwer
verfolgen,  weil  die  Erhöhung  oder  Herabdrückung  des  Preises  nur
eine  Form  der  Überwälzung  ist;  dieselbe  kann  auch  in  der  Weise
zur  Geltung  kommen,  daß  minderwertige  Waren  dargeboten  werden,
oder  eine  geringere  Quantität  geboten  wird,  oder  umgekehrt,  bessere
Qualität  oder  größere  Quantität  geboten  wird.  Bei  Kapitalien  kann
die  Überwälzung  in  der  Wertminderung  der  mit  Steuer  belasteten
Kapitalien  zum  Ausdruck  kommen  resp.  in  der  Wertsteigerung  der
Kapitalien.
Dem  hier  eingenommenen  Standpunkt  am  nächsten  steht
Vocke:  Erweist  darauf  hin,  daß  wenn  jeder  im  Verhältnis  zu  dem
anderen  entsprechend  besteuert  ist,  dann  werden  die  einander  gegenüberstehenden ­
  Kräfte  im  Gleichgewicht  sein  und  sich  aufheben.
Wenn  auch  in  dem  sich  entwickelnden  Wettkampf  hier  und  da
Vorteile  errungen  werden,  so  werden  diese  doch  in  der  allgemeinen
Konkurrenz  ausgeglichen  werden.  Wenn  aber  die  Belastung  eine
ungleiche  ist,  dann  beginnt  eine  ganze  Beihe  der  Überwälzungskämpfe, ­
  die  ganz  unberechenbar  sind.  Im  übrigen  ist  die  Überwälzung ­
  in  der  Begel  bloß  eine  vorübergehende;  es  läßt  sich  auch
nicht  behaupten,  daß  diese  oder  jene  Steuer  vom  Produzenten,  vom
Händler  usw.  überwälzt  wird;  denn  einmal  gelingt  die  Überwälzung,
1 )  So  sagt  Vocke  (S.  358),  daß  hinsichtlich  der  Steuerüberwälzung  nichts
feststeht,  als  daß  sie  schlechterdings  unberechenbar  ist.  Ebenso  sagt  Stourm:
Le  Phänomene  de  la  translation  des  impots  demeure  impenetrable.
            
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