Full text : Finanzwissenschaft

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4.  Buch.  V.  Teil.  Die  Steuern.

sich  den  Einkommensstufen  anzuschmiegen.  Darum  wirkt  diese
Steuer  vollkommen  wie  eine  Kopfsteuer.  Ja  die  Salzsteuer  wirkt
wie  eine  in  umgekehrter  Progression  sich  geltend  machende  Kopfsteuer ­
  aus  dem  Grunde,  weil  statistisch  erwiesen,  daß  in  den  unteren
Klassen  die  Zahl  der  Familienglieder  im  allgemeinen  größer  ist  und
der  Konsum  intensiv  und  extensiv  wächst,  weil  einerseits  der  Konsum
durch  die  Zahl  der  Konsumenten  bestimmt  wird,  wobei  weder  Geschlecht ­
  noch  Alter  einen  Unterschied  machen,  da  die  Speise  des
Kindes  ebenso  das  Salz  erfordert,  wie  die  des  Erwachsenen.  Hierzu
kommt  noch,  daß  die  unteren  Klassen  in  größerem  Maße  solche
Nahrungsmittel  verzehren,  die  Salz  erfordern,  Kartoffeln,  Brot  usw.,
während  die  Reicheren  viele  Leckerbissen  und  Speisen  konsumieren,
die  kein  Salz  erfordern.  So  kann  konstatiert  werden,  daß  die
Glieder  der  unteren  Klassen  als  Individuen,  jeder  für  sich,  eine
größere  Steuerlast  tragen,  als  die  Glieder  der  oberen  Klassen.  Noch
eklatanter  zeigt  sich  die  Steuerlast,  wenn  wir  die  ganze  Klasse  ins
Auge  fassen,  da  diese  Klassen  den  größeren  Teil  der  Bevölkerung
ausmachen  und  somit  von  der  Salzsteuer  als  Klasse  eine  viel  größere
Quote  tragen  als  die  oberen  Klassen.  So  sehr  auch  die  Salzsteuer
eine  die  untere  Klasse  bedrückende  Steuer  ist,  so  kann  dieselbe
doch  nicht  mit  der  Regierungsform  in  Zusammenhang  gebracht
werden,  wie  wir  ja  sehen,  daß  dieselbe  auch  in  demokratischen
Staaten,  in  Republiken  wie  Schweiz,  Frankreich,  Vereinigte  Staaten
besteht,  in  der  Schweiz  sogar  in  der  Form  des  Monopols.  Im  autokratischen
  Rußland  dagegen  wurde  sie  im  Jahre  1881  aufgehoben.
Die  Salzsteuer  verteilt  sich  auch  nicht  gleich  auf  Land  und  Stadt;
sie  ist  eine  Steuer,  die  mehr  von  der  Landbevölkerung  getragen  wird.
Bei  Beurteilung  dieser  Steuer  muß  auch  die  hohe  Wichtigkeit
des  Salzes  für  Landwirtschaft  und  Industrie  in  Betracht  gezogen
werden.  Für  diese  Steuer  läßt  sich  höchstens  das  Moment  der
Allgemeinheit  anführen,  da  dieser  Steuer  in  der  Tat  niemand  entgehen ­
  kann.  Auch  mag  noch  des  Umstandes  Erwähnung  geschehen,
daß  infolge  der  unbedingten  Notwendigkeit  des  Salzes  diese  Steuer
auch  unter  den  ungünstigsten  politischen  Verhältnissen,  großen
politischen  Erschütterungen  dem  Staate  ein  Einkommen  sichern,
wenn  der  Ertrag  aller  anderen  Steuer  mehr  weniger  problematisch
wird.  In  der  Revolution  vom  Jahre  1848/49  war  die  einzige  sichere
Einnahmequelle  der  ungarischen  Regierung  die  Salzsteuer  (Kossuth’s
Bericht  über  die  Staatsfinanzen,  8.  10).  Vor  dem  Jahre  1848
forderte  die  österreichische  Regierung,  sobald  in  Ungarn  eine
kulturelle  Institution  gewünscht  würde,  daß  deren  Kosten  erst  durch
Erhöhung  der  Salzsteuer  gedeckt  werde.
            
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