Full text : Finanzwissenschaft

492

4.  Buch.  V.  Teil.  Die  Steuern.

führbar  ist.  Das  Salzmonopol  kommt  in  verschiedenen  Formen  vor:
der  Staat  behält  sich  bloß  die  Produktion  vor,  während  der  Verkehr ­
  frei  ist,  oder  der  Staat  läßt  die  Produktion  frei,  behält  sich
aber  die  Inverkehrssetzung  vor,  oder  Produktion  und  Verkehr  sind
monopolisiert.  In  dem  Falle,  als  der  Staat  sich  die  Inverkehrssetzung ­
  vorbehält,  kann  dies  so  geschehen,  daß  sich  dies  nur  auf
den  Großhandel  bezieht,  während  der  Detailbetrieb  freigegeben  wird.
Mag  welches  System  immer  Anwendung  finden,  so  hat  der  Staat
stets  die  Pflicht,  dafür  zu  sorgen,  daß  das  Publikum  zu  mäßigem
Preise  und  in  gehöriger  Menge  dieses  wichtige  Lebensmittel  sich
verschaffen  könne.  Das  in  der  Landwirtschaft,  bei  der  Viehzucht
und  im  industriellen  Betriebe  nötige  Salz  muß  zu  billigem  Preise
geliefert  werden.  Was  die  Wirkung  des  Monopols  betrifft,  so  ist
nicht  zu  leugnen,  daß  dasselbe  nicht  ohne  nachteilige  Folgen  ist
und  namentlich  den  Konsum  einschränkt.  Insbesondere  leiden
hierunter  die  unteren  Klassen,  die  weit  mehr  auf  den  Genuß  solcher
Lebensrnittel  angewiesen  sind,  die  das  Salz  nicht  entbehren  können,
als  che  oberen  Klassen.  Der  durchschnittliche  Salzkonsum  einer
wohlhabenden  Familie  beträgt  10  Kilo,  der  einer  armen  Familie
0  Kilo.  Namentlich  der  große  Kartoffelverbrauch  erhöht  den
Salzkonsum  der  unteren  Klassen.  In  Frankreich  ist  der  Salzkonsum
der  ländlichen  Bevölkerung  dreimal  so  groß,  als  der  der  städtischen
Bevölkerung.  Der  größere  Salzkonsum  der  ländlichen  Bevölkerung
hängt  auch  damit  zusammen,  daß  die  ländliche  Bevölkerung  mehr
gesalzenes,  die  städtische  Bevölkerung  mehr  frisches  Fleisch  genießt.
Bei  vegetabilischer  Kost  ist  gleichfalls  der  Salzkonsum  größer  als
bei  animalischer  Kost,  Wie  sehr  die  Billigkeit  des  Salzes  den
Sa  zkonsum  erhöht,  dafür  bietet  die  ungarische  Geschichte  ein
interessantes  Beispiel.  Im  Jahre  1849  gestattete  das  ungarische
Ministerium,  daß  die  Siebenbürger  Szekler  aus  dem  Parajder  Salzergwerke ­
  das  Salz  um  zwei  Gulden  bekommen  sollen:  Folge  hiervon ­
  war  daß  der  Salzkonsum,  der  bis  dahin  25—30000  Zentner
betrug,  bis  Ende  1849  auf  160000  Zentner  stieg.  Pfeifer  führt  an,
‘  aß  ™  Frankre^h  infolge  einer  Reduktion  des  Preises  der  Konsum
IuR7  vV^ 8 n 7  folgende  Steigerung  zeigte:  4,7  Millionen  Zentner,
1 7 , ; :  'f  Milhonen  Zentner.  In  England  hat  sich  nach  Porter
infolge  der  Aufhebung  der  Steuer  der  Salzkonsum  um  470  Prozent
gehoben.  )  Hock  sagt,  es  ist  von  Interesse  zu  bemerken,  daß  in
den  V  ereimgten  Staaten  der  Konsum  von  Salz  59 1 / 3  Pfund  für  den
Kopf  der  Bevölkerung  beträgt,  während  er  in  Ländern  des  Monopols
')  Die  Staatseinnahmen  (Stuttgart  und  Leipzig  1866.  8.  387).
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.