F. III. Abschnitt. Die Zuckerateuer.
497
mit größerer Sicherheit vorhergesehen werden und die Interkalar-
zinsen sind geringer. Sie hat den Nachteil einer belästigenden Kon
trolle der Fabrikation und leidet auch an Unsicherheit. So empfahl
sich denn immer mehr die Besteuerung nach dem fertigen Produkte.
Das fertige Produkt wird bei dem Austritt aus der Fabrik besteuert
und kann zur Kontrolle eine Steuermarke angewendet werden. Die
Fabrikatensteuer stört am allerwenigsten die Fabrikation, der diffe
rente Einfluß ungleicher ßübenqualitäten ist aufgehoben, das Steuer
objekt ist fest bestimmt, der Eintritt in die Konsumtion ist nahe,
das nicht in den inneren Verkehr eintretende Produkt braucht nicht
besteuert zu werden, die Mißbräuche bei der Steuerrückvergütung
sind ausgeschaltet. Doch ergeben sich auch manche Schwierigkeiten.
Der Zuckergehalt des Rohzuckers ist nur schwer festzustellen, die
dabei gebrauchten Methoden (Saccharometer, Niederlande, Standard)
sind nicht ganz verläßlich, da die Zuckerrübe künstlich verändert
werden kann, Farbe und Zuckergehalt nicht ganz kongruent sind.
Auch ist natürlich eine strengere Kontrolle nötig und eben zur
Vermeidung dieser und zur Schonung der hier vertretenen und sich
energisch geltend machenden Interessen hat man sich lange mit
weniger vollkommenen Besteuerungsmethoden begnügt. Darum fragt
Leroy-Beaulieu x ) erbittert, warum müssen eben die großen Herren
von der Zuckerindustrie verschont werden? „Keine Verzehrungs
steuer, sagt er weiter, war an sich gerechter und einfacher wie die
Zuckersteuer. Keine wurde durch die Schuld der Gesetzgebung
unerträglicher und schwankender gemacht.“
Die Ergebnisse der Zuckersteuer waren in Preußen (1912/13):
Zahl der Rübenzuckerfabriken und Raffinerien 180
Verarbeitete Rüben 13,3 Mill. Tonnen
Zu 1 kg Rohzucker waren Rüben erforderlich 6,29 „ „
Gewonnener Rohzucker 2,1 „ „
Erhobene Zuckersteuer 120,4 Mill. Mark
Bezüglich des Zuckerverbrauches stehen folgende Daten zur
Verfügung:
pro Kopf der Bevölkerung
England 37,— kg
Vereinigte Staaten 23,3 „
Dänemark 23,— „
Deutschland 19,5 „
Niederlande 19,— „
l ) Traite, 8. 659.
Földes, Finanzwissenschaft.
32