Full text : Finanzwissenschaft

530

4.  Buch.

V.  Teil.  Die'Steuern.

1913

1914/15

Mill.

Kronen

Stempel

57,6

41,6

Gebühren

102,0

113,2

Tabakmonopol

195,8

230,2

Salzmonopol

36,8

43,3

2.  AVir  haben  an  anderer  Stelle  uns  schon  mit  der  prinzipiellen
Frage  der  Deckung  der  Kriegskosten  beschäftigt  und  werden  bei
Behandlung  des  Staatskredits  wieder  auf  diese  Frage  zurückkommen
müssen.  Hier  wollen  wir  uns  mehr  mit  der  tatsächlichen  Gestaltung
der  Kriegsbesteuerung,  den  tatsächlichen  Erscheinungen,  namentlich
im  Weltkriege  befassen.
Wir  haben  gesehen,  daß  die  Besteuerung  mit  dem  Steuerwesen
in  engem  Zusammenhang  steht.  De  la  Comt  sagt:  „Für  die  stehenden ­
  Heere  eine  stehende  Steuer“.  In  der  Tat  sehen  wir,  auch  wenn
wir  uns  die  neuere  Gestaltung  vor  Augen  halten,  daß  die  Kriegskosten ­
  zu  jeder  Zeit  eine  der  wichtigsten  Veranlassungen  war,  neue
Steuern  einzuführen,  ja  oft  das  Steuersystem  umzugestalten.  Die
englische  Einkommensteuer  ist  als  „war  duty“  ins  Leben  gerufen
worden.  Eine  B-eihe  von  Verzehrungs-  und  namentlich  Luxussteuern
ist  gleichfalls  auf  diese  Ursache  zurückzuführen.  Die  Verkehrssteuern, ­
  gewissermaßen  eine  moderne  Form  der  Alcavala,  hat  der
nordamerikanische  Sezessionskrieg  zur  ausgedehntesten  Entwicklung
gebracht.  Die  Einkommen-  und  Vermögenssteuer  hat  Ungarn  im
jetzigen  Kriege  zur  Deckung  der  Kriegskosten  eingeführt.  Neu
konstruiert  wurde  im  jetzigen  Kriege  die  Kriegsgewinnsteuer,  welche
in  allen  Staaten  und  zwar  nicht  nur  in  den  kriegführenden,  sondern
auch  in  neutralen  Staaten  Eingang  gefunden  hat.  Neben  der  Einführung ­
  neuer  Steuern  finden  wir  reichlich  Erhöhungen  alter  Steuern
und  hat  sich  mit  Bezug  auf  die  Rolle  der  alten  und  neuen  Steuern
folgende  Theorie  entwickelt.  Es  soll  nämlich  die  Erhöhung  der
alten  Steuern  namentlich  dazu  dienen,  durch  den  Krieg  verursachte
und  mit  dem  Krieg  wieder  verschwindende  gewisse  Ausgaben  zu
decken,  so  daß  nach  dem  Kriege  die  alten  Steuern  wieder  in  ihr
früheres  Bett  zurückkehren,  also  auf  den  früheren  Steuerfuß  zurückgeleitet ­
  werden.  Die  neuen  Steuern  sollen  dazu  dienen,  die  bleibenden ­
  Kriegslasten,  Verzinsung  und  Amortisation  der  Kriegsaniehen
zu  decken.  Diese  neuen  Steuern  müssen  eben  deshalb  verbleiben.
Neben  den  Steuern  finden  wir  als  Deckungsmittel  der  Kriegskosten
allgemeine  Erhöhung  aller  Leistungen,  Gebühren,  Taxen,  Fahrtarife,
Post-,  Telegraphen-,  Telephongebühren  usw.
            
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