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5. Buch. Der Staatskredit.
ist von nicht zu unterschätzender Wichtigkeit. Wenn es auch eine
Übertreibung ist, daß der Staatskredit die großen Vermögen ge
schaffen hat, so ist es doch gewiß, daß derselbe die Bildung großer
Vermögen bedeutend gefördert und in dieser Richtung tätige Ten
denzen verstärkt hat. Daß der Staatskredit nicht allein die Kon
zentration des Vermögens geschaffen hat, ergibt sich schon daraus,
daß er das Bestehen großer Vermögen zu seiner Voraussetzung
hat. Wohl aber ist zu konstatieren, daß der Staatskredit insbe
sondere die konjunkturale Vermögensbildung befördert, indem
diejenigen, die in kritischen Zeiten den Staat mit Anleihen unter
stützen, in friedlichen Zeiten auf die rasche und ansehnliche Ver
mehrung ihres Vermögens rechnen können. Dies ist aber nur recht
und billig, denn es ist ja mit großer Gefahr verbunden, dem Staate
in trüben Zeiten Geld zur Verfügung zu stellen, das die Not und
Gefahr beseitigen hilft. Übrigens ist darauf hinzuweisen, daß der
Staatskredit nicht minder die Schaffung kleiner Vermögen befördert,
denn Viele, die nicht in der Lage sind, größere Kapitalien zur
Gründung von Unternehmungen usw. anzusammeln oder deren Beruf
hiervon abhält, in bescheidenen Summen Vermögen ansammeln, das
sonst nicht entstanden wäre, da dieselben zu anderen Schuldnern,
Privaten, Aktiengesellschaften usw. kein Vertrauen haben. Darum
ist es auch ganz besonders wünschenswert, daß die Staatsschuld in
die breiten Schichten des Volkes eindringe. Freilich hat das auch
manchen Nachteil. Erstens aus dem Grunde, weil je größer die
Zahl der Staatsgläubiger, desto größer ist auch die Zahl derjenigen,
die von Rentenbezügen arbeitslos leben, was viel Arbeits- und
Kapitalkraft von produktiven Verwendungen ablenkt. Auch poli
tisch zeigt sich die Gefahr, denn die Menge ist durch Vorgaukeln
von Hoffnungen oder durch Andeutung von Gefahren leicht ein
zuschüchtern. Finanziell ist jedenfalls eine stark pulverisierte
Staatsschuld kostspieliger zu verwalten. Jede Staatsschuld ruft
natürlich soziale Interessengegensätze hervor, da ein Teil der Be
völkerung Gläubiger, der andere Schuldner des Staates ist, welch
letzterer in der Steuer für die Befriedigung der ersteren zu sorgen
hat, und da die letzteren natürlich die mit großen Vermögen Ge
segneten sind, so vermehrt der Staatskredit jene Faktoren, welche
soziale Reibungen hervorrufen und führt zu dem Bestreben, den
Staat dem einen oder dem anderen Interesse zu unterwerfen. Schon
Haller befürchtet, daß die Staatsschuld die Gesellschaft in zwei
Lager teilt. Richelieu, Robespierre, Rothschild sind nach Heine jene
drei terroristischen Namen, welche die gradweise Vernichtung der
Aristokratie bedeuten, Europas fürchterlichste Nivelleure.