Full text: Finanzwissenschaft

I. Abschnitt. Die staatswirtschaftliche Regierung. 
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neuerer Zeit in allen Staaten das Finanzministerium, ebenso wie die 
anderen Zweige der Verwaltung genötigt, statistische und andere 
Arbeiten zu publizieren, Enqueten abzuhalten usw. 
Wenn wir die tatsächliche Gestaltung ins Auge fassen, so 
sehen wir, daß überall mehr weniger in diesem Rahmen sich der 
Organismus des Finanzministeriums bewegt. Eine bemerkens 
werte Abweichung finden wir in Italien und England. In 
Italien besteht neben dem eigentlichen Finanzministerium noch 
ein Staatsschatzministerium. In England steht an der obersten 
Spitze des Finanzwesens der Präsident des Ministerrates, resp. 
der Schatzkanzler (First Lord of the Treasury) und der eigent 
liche Finanzminister (Chancellor of the Exchequer); beide Funk 
tionen können auch in einer Person vereinigt werden, wenn der 
Finanzminister Mitglied des Unterhauses ist, ja, in diesem Falle 
werden beide Ämter seit 1717 vereinigt. Da der First Lord of 
the Treasury zugleich Ministerpräsident oder — da diese Funk 
tion eigentlich dem englischen Staatsrecht fremd ist — Prime 
Minister ist, so vereinigen sich in diesem Falle in seiner Person 
drei Funktionen. So vereinigten Peel und Gladstone die drei 
Funktionen, da Gladstone aber 1880 die Unmöglichkeit einer solchen 
Kumulation einsah, verzichtete er auf das Finanzministerium. Im 
Anfange war die Aufgabe des Chancellor, den Treasurer zu über 
wachen und als Gegengewicht zu funktionieren. Dem Finanz 
minister zur Seite steht eine aus drei Mitgliedern (Junior Lords) 
bestehende Kommission, deren Bedeutung jedoch eine unter 
geordnete ist. 
3. Unter der Bezeichnung Fiskus wird in der Regel die staatliche 
Finanz als Subjekt verstanden. Der Begriff stammt aus dem römischen 
Recht und fand im Mittelalter dann Anwendung, wenn der Fürst 
außer den aus seinem eigenen Besitz stammenden Einkommen 
solches Einkommen besaß, das ihm als Repräsentant des Staat5s 
gebührte. Diese Einkommen bildeten das sogenannte Ärarium, 
welches gleichfalls als mit Privilegien bekleidete juristische Person 
Fiskus genannt wurde. In neuester Zeit ist in der Natur dieses 
Fiskus eine große Veränderung vorgegangen. Der Fiskus beschränkt 
sich nämlich nicht bloß auf finanzielle Funktionen, sondern spielt 
eine bedeutende volkswirtschaftliche Rolle. Der Fiskus ist vor 
allem Bankier, indem er mit staatlichen Geldern, staatlichen Über 
schüssen Banken, Sparkassen, manchmal auch Einzelnen Darlehen 
gibt, wodurch er auf die Gestaltung des Zinsfußes Einfluß ausübt; 
der Fiskus nimmt teil an der Gründung von industriellen, kommer 
ziellen und Verkehrsunternehmungen; der Fiskus beeinflußt durch 
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