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Le Play hat denn auch die Fehler, die sich notwendig bei einer
solchen Erhebungsweise einstellen müssen, nicht vermeiden können.
Solche Fehler ihm hier nachzuweisen, ist weder nötig, weil sie eben
unvermeidlich sind, noch in größerem Umfange möglich, da zu viel
Zeit seitdem vergangen ist. Zwar ist es in einzelnen Punkten zu
fällig doch möglich; aber es hat keinen Zweck, solche Einzelheiten
hier anzuführen.
Optimistische Darstellung hausindustrieller Arbeitsverhält-
nisse. Das Urteil Le Play’s über die Solinger Industrie im allge
meinen ist beeinflußt von seinem Ideal. Er erkennt an, daß die
Arbeiter sich in einer „ganz guten Lage“ befinden, daß die Produk
tion stetig steigt und immer mehr Arbeitskräfte von außerhalb heran
gezogen werden müssen. Doch die Solinger Industrie hat nach Le
Play einen großen Fehler: sie ist abhängig vom Absätze in der
Fremde.
ln dieser Beurteilung zeigt sich ein großes Mißtrauen gegen
jede neuzeitliche Industrie-Entwicklung. Die Autarkie kleinster
Wirtschaftsgebiete, am besten jeder Wirtschaftseinheit, um durch
die Unabhängigkeit eine vermeintliche Sicherheit zu erzielen, war
das Ideal Le Play’s. Und da er die Unstetigkeit, verursacht durch
die Verwendung der Dampfkraft, als unvermeidliche Wirkung der
modernen Fabrikindustrie betrachtet, befürchtet er für die Solinger
Hausindustrie, die in der Nähe des Ruhrkohlen-Gebietes liegt, den
baldigen Beginn des Zeitalters der Unstetigkeit. Es sind seine
schematischen Vorstellungen von den verschiedenen Stadien der
wirtschaftlichen Entwicklung, welche seinen Geist entscheidend be
einflussen bei der Darstellung der Solinger Verhältnisse, indem sie
namentlich die Vergangenheit zu sehr begünstigen.
Le Play stellt das Arbeitsverhältnis in der Solinger Haus
industrie folgendermaßen dar:
Die Beziehungen zwischen Unternehmern und Arbeitern beschränken sich
in der Regel darauf, in aller Güte den Preis für einen Auftrag zu regeln,
den der letztere ausführen soll: ihm nach Bedarf Vorschuß an Material und
Geld zu geben; endlich, ihm nach der Lieferung den für den Auftrag verein
barten Preis ganz auszuzahlen. Bei dieser unabhängigen Lage verfehlen die
Arbeiter nicht, die Vorteile der Aufschwungs-Perioden sich zunutze zu machen;
aber ebenso müssen sie die ungünstigen Palle auf sich nehmen, die ein Nach
lassen der Aufträge mit sich bringt. Doch fühlen sich die Unternehmer ver
pflichtet, in Zeiten einer Krise etwas Arbeit anfrechtzuerhalten; sie geben im
Bedürfnisfalle den Arbeitern, die sie gewöhnlich beschäftigen, Vorschüsse, für
die sie sich später aus den Löhnen bezahlt machen, wenn die Arbeiten wieder