Full text : Frédéric Le Play in seiner Bedeutung für die Entwicklung der sozialwissenschaftlichen Methode

propriete“,  weil  sie  die  Mäßigkeit  and  den  Spartrieb  wecken,  weil
sie  in  Zeiten  kommerzieller  Krisen  meist  davon  unabhängig  sind  und
überhaupt  ein  Aufsteigen  auf  der  sozialen  Stufenleiter  ermöglichen.
Aber  für  die  Erfassung  dieser  Nebenarbeiten  ist  die  Methode  Le  Play’s
keineswegs  sehr  geeignet.  Er  stellt  auch  hierbei  wieder  alle  Einnahmen ­
  aus  einer  bestimmten  Beschäftigung  allen  Ausgaben  gegenüber. ­
  Die  Differenz  von  Einnahmen  und  Ausgaben  setzt  sich  dann
aus  zwei  Faktoren  zusammen:  aus  Unternehmerlohn,  Arbeitslohn  und
ev.  noch  Subventionswert  oder  Verzinsung  des  Eigentums,  das  dabei
mitgewirkt  hat.  Der  Anteil  jedes  einzelnen  Elements  bestimmt  sich
bald  direkt,  bald  durch  Analogie,  bald  als  die  Differenz  der  beiden
anderen  bekannten  Elemente.  Wie  groß  hier  die  Fehlermöglichkeiten
sind,  liegt  auf  der  Hand.  Sie  liegen  allerdings  nicht  in  dieser
speziellen  Berechnungsweise,  sondern  sind  charakteristisch  für  die
ganze  Methode,  die  sich  lediglich  auf  Schätzung  aufbaut,  anstatt
auf  genauesten  schriftlichen  Unterlagen.
Aus  alledem  geht  schon  zur  Genüge  hervor,  daß  die  Zahlen  der
Monographien  an  zwei  Hauptmängeln  leiden.  Einmal  bleiben  für
Le  Play’s  Aufgabe  —  nicht  für  jede  wissenschaftliche  Untersuchung ­
  von  Familienwirtschaften!  —  besonders  wichtige  Momente
außerhalb  des  Budgets  und  lassen  sich  überhaupt  nicht  in  Zahlen
ausdrücken;  andererseits  gibt  es  eine  ganze  Reihe  von  Faktoren,  die
zwar  zahlenmäßig  erfaßt  werden,  bei  denen  aber  die  Zahlen  nicht
die  volle  Bedeutung  wiedergeben.  Zwar  ist  der  letztere  Mangel
mindestens  zum  Teil  kein  unvermeidlicher.  Immerhin  ist  doch  so
viel  sicher,  daß  ein  Budget  allein  kein  richtiges  Bild  der  Familie
geben  kann,  sondern  daß  das  beschreibende  Wort  als  wesentlicher
Faktor  mit  dazu  gehört,  nicht  nur,  wie  Le  Play  glaubt,  als  Hilfe
für  die,  welche  Zahlen  nicht  lesen  können.
Technik  der  Befragung.  Balancierung  des  Budgets.  Eine
weitere  Frage  besteht  darin,  ob  denn  die  übrigen  Zahlen,  die  Le
Play  gibt,  im  großen  und  ganzen  der  Wirklichkeit  entsprechen.
Das  ist  keine  prinzipielle  Frage  der  Methode  mehr,  sondern  nur
eine  solche  nach  der  besonderen  Technik,  die  Le  Play  anwendete,
um  zur  Feststellung  der  Zahlen  zu  gelangen.
Das  Verfahren  Le  Play’s  ist  bei  der  Beschreibung  seiner  Methode
des  näheren  erörtert.  Es  ist  das  der  mündlichen  Befragung,  ein
Verfahren,  über  dessen  Unzulänglichkeit  man  sich  heute  einig  ist.
Setzen  wir  auf  seiten  Le  Play’s  auch  eine  reiche  Erfahrung  und
Routine  voraus,  so  können  wir  uns  doch  nicht  vorstellen,  wie  ledig ­
            
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