Full text: Der deutsche Zollverein

dem Wesen der rheinländischen Industrie vertraut gemacht hatte, 
dann aber in den preußischen Dienst übergetreten war. Wie alle wirt 
schaftlich bedeutenden Aöpfe jener Zeit war er ein Anhänger der von 
dem Schotten A d a m 5 m i t h (1723—1790) vorgetragenen Lehren, 
der alle künstlichen Einschränkungen des Handels und der Industrie 
aufs lebhafteste verurteilend dem Staate das Recht und die Pflicht 
zuschob, alle Hemmnisse, die der wirtschaftlichen Entwicklung ent 
gegenständen, zu beseitigen; er gilt deshalb mit Recht als der Be 
gründer der modernen Freihandelstheorie. In wie weit diese freilich 
nach Zeit und Umständen eine Einschränkung erheischte, das batte 
Wachsen in seiner langjährigen Laufbahn wohl erkannt, als er an 
die Ausarbeitung des erwähnten Zollgesetzes ging. Dessen ersten 
beiden Paragraphen lauteten : „Alle fremden Erzeugnisse der Natur 
und Aunst können im ganzen Umfange des Staates eingebracht, ver 
braucht und durchgeführt werden. Allen inländischen Erzeugnissen 
der Natur und Aunst wird die Ausfuhr verstattet." 
Dies Prinzip erscheint uns heutzutage durchaus selbstverständ 
lich und als Regel. Für die damalige Zeit war es eine vielen 
Leuten unbegreifliche Neuerung und eine Bedenken erregende Aus 
nah,ne. Am 26. Mai 1818 trat das neue Zollgesetz in Araft. 
Es verwirklichte den dann auch von Nebenius ausgesprochenen 
Grundgedanken, daß die gesammten Zölle an die Grenze zu ver 
legen seien. Freilich hatte das gerade für Preußen kaum zu über 
windende Schwierigkeiten. Denn nicht weniger als 1073 Meilen 
verlangten auf diese Weise Bewachung, eine Ausdehnung, die zu 
dem Areal des Staates bei der „Dünnleibigkeit" des damaligen 
Preußen in dem ganz ungesunden Verhältnisse von 1 : 5 stand. 
Allenthalben berührte sich der Staat dainals mit andern Staaten oder 
schloß solche ein, die keine geordnete Zollverwaltung besaßen und 
dabei wohl gar den Schmuggel begünstigten. Unter solchen Um 
ständen verbot es sich von selbst, einen komplizierten Zolltarif auf 
zustellen und, was auch aus anderen Rücksichten vermieden wurde, 
zu hohe Zölle zu nehmen. 
Nur wenige Warenkategorien wurden geschaffen und der
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.