Full text : Der deutsche Zollverein

verschwenderische  Anhaltiner  siebenmal  mehr  Zucker  und  Aassee  als
der  knickrige  Preuße,  und  an  Unterjacken  und  Unterhosen  gar  das  18  fache
Quantum,  reichlich  bemessen.  Vorstellungen  fruchteten  nichts,  da
sich  der  Herzog  heimlich  in  seinem  Widerstände  durch  den  österreichischen ­
  Generalkonsul  Adam  Müller  in  Leipzig  unterstützt  sah,
namentlich  nachdem  er  1825  zu  Paris  samt  seiner  Gemahlin
heiinlich  zum  Aatholizismus  übergetreten  war.  Fünf  volle  Jahre
seit  Abschluß  der  Elbschiffahrtsakte  ließ  der  preußische  Staat  sich
von  dem  unverschämten  Nachbar  aus  der  Nase  herumtanzen;  dann
aber  machte  er  endlich  Ernst.  Er  umgab  das  Ländchen  mit  einem
Zollkordon  und  hielt  am  Ein-  und  Ausfluß  der  Elbe  schärfste
Wache.  Zwar  rief  der  so  Gemaßregelte  alle  Welt  um  Pilse  an.
Aber  der  Bundestag  konnte  nicht  helfen,  und  Österreich  fand  es
plötzlich  auch  nicht  opportun,  sich  wegen  dieses  kleinen  Unbandes
mit  Preußen  zu  erzürnen';  denn  der  Arieg  Rußlands  mit  der
Türkei  war  ausgebrochen,  der  die  Freiheit  Griechenlands  zur  Folge
hatte,  und  da  konnte  man  nicht  wissen,  wie  man  Preußens  guten
Willen  noch  nötig  hatte;  so  riet  man  von  der  Posburg  aus  insgeheim ­
  selbst  den  Dessauern,  sich  zu  fügen.  1828  war  schon
Anhalt-Bernburg  für  seinen  oberen  Teil  (Ballenstädt)  beigetreten
und  1826  auch  mit  dem  unteren  Teile.  So  hatten  am  17.  Zull
1828  nur  noch  Anhalt-Töthen  und  Anhalt-Dessau  abzuschließen,
nachdem  sie  im  Ganzen  mit  einem  Zollkriege  von  10  Zähren  die
Nachsicht  der  preußischen  Regierung  gemißbraucht  hatten.  Der
Ersolg  zeigte  sich  alsbald  auch  in  Ziffern:  der  Zollertrag  in  den
Provinzen  Brandenburg  und  Sachsen  stieg  von  3  135000  Tlr.  aus
4  128  000  Tlr.;  also  fast  um  1  27tili-  Taler  war  der  preußische  Staat
jährlich  durch  das  Anwesen  geschädigt  worden.  Zm  gleichen  Zahre
wurden  noch  zwei  Gothaische  Enklaven  ausgenommen  und  1830
das  rings  von  der  Rheinprovinz  umschlossene  oldenburgische
Birkenseid.  Man  sieht,  daß  in  diesen  ersten  zehn  Zähren  sder
Entwickelung  das  preußische  System  recht  wenige  und  mit  großer
Mühe  und  Langmut  errungene  Erfolge  zu  verzeichnen  hatte.  Das
zweite  Zahrzehnt  sollte  sich  ungleich  günstiger  gestalten.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.