Full text : Der deutsche Zollverein

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es  nicht  scheine,  als  habe  man  den  Kurfürsten  durch  eine  vollendete ­
  Tatsache  in  seinem  handeln  bestimmen  wollen,  pofmann
glaubte  den  Kurfürsten  geneigt  gefunden  zu  haben,  und  nun
wurde,  um  Weiteres  anzubahnen,  der  Fürst  Wittgenstein  nach
Kassel  geschickt.  Aber  unterdessen  hatte  hier  der  Wind  umgeschlagen.
Zwar  erhielt  der  fürstliche  Abgesandte  noch  am  12.  März  eine
gnädigste  Audienz,  aber  schon  am  15.  März  ließ  der  Kurfürst
einen  groben  Brief  an  die  Darmstädter  Regierung  schreiben,  und
fuhr  dann  in  einer  späteren  Audienz  Wittgenstein  an:  „Ich  bin
Thef  des  hessischen  Dauses;  Anmaßungen,  wie  der  Großherzog
sie  sich  erlaubt  hat,  werde  ich  nicht  dulden;  ich  kann  die  Bitte
des  Großherzogs  nicht  gewähren."  Da  in  jener  Zeit  auch  vom
preußischen  pofe  General  von  Natzmer  erschien,  um  im  Namen
seines  Königs  für  die  Gemahlin  des  Kurfürsten  einzutreten,  die
der  Reichenbach  das  Feld  geräumt  hatte  und  nach  Bonn  gegangen
war,  so  erboste  sich  der  Kurfürst  nur  noch  mehr  gegen  Preußen.
Dagegen  schienen  die  vom  Könige  Ludwig  gesandten  Geh.
Räte  Oberkamp  und  Eiebein  und  des  Königs  persönlicher  Freund
von  der  Tann,  die  den  Kurfürsten  zum  Anschluß  an  den  süddeutschen ­
  Zollverein  bewegen  wollten,  bessere  Geschäfte  zu  machen,
ja,  alles  schien  sogar  auf  einen  vollgiltigen  Abschluß  hinzudeuten.
Aber  es  schien  nur  eben  so.  Unter  Österreichs  Einstuß,  das  den  süddeutschen ­
  Zollverein  mit  dem  gleichen  Mißtrauen  betrachtete,  und
unter  sächsischer  Einwirkung  sprang  der  Kurfürst  im  letzten  Momente
ab.  <£s  erschien  nämlich  in  Kassel  der  sächsische  Freiherr  von  Lindenau,
um  einen  neutralen  pandelsverein  in  Anregung  zu  bringen,  der
sich  als  dritte  Macht  zwischen  den  preußisch-hessischen  und  den
württembergisch-bayrischen  Zollverein  schieben  sollte.  Das  war
durchaus  nach  dem  Geschinacke  des  Kurfürsten,  und  er  entließ  die
bayrischen  Bevollmächtigten,  die  sich  ihres  Erfolges  schon  ganz
sicher  waren,  mit  einem  Korbe.
Die  sächsische  Regierung  war  im  Laufe  des  Jahres  1828
von  ihren  in  ihrer  Existenz  sich  durch  die  Isolierung  Sachsens  bedroht ­
  fühlenden  Fabrikanten  mehrfach  angegangen  worden,  sich  ent-
            
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