Full text: Der deutsche Zollverein

noch keine konstitutionelle Verfassung, und man darf wohl berechtigten 
Zweifel hegen, ob es im Besitze einer solchen in Aachen des Zollvereins 
mit einer so zielsicheren Konsequenz und mit solchem Erfolg hätte vor 
wärts kommen können, wenn es z.B. Btraßenbauten, Vertragsschlüsse 
u. dergl. von dem Votum seiner Kammern hätte abhängig machen 
müssen. Ferner trat, schon in der ersten Konferenz von Bayern 
angeregt, aber auch von Preußen mit gebührendem Interesse 
aufgenommen, die Zuckerfrage mehr in den Vordergrund. Es 
handelte sich sowohl um Rübenzucker, dessen Fabrikation damals 
freilich noch in den Anfängen lag und die spätere kolossale Entwickelung 
nicht entfernt ahnen ließ, als um die Raffinerien von kolonialem 
Rohzucker. Alan kam zunächst nur zu dem Beschluß, daß neue 
Raffinerieen von Rohzucker die den früheren Anlagen der Art 
gewährten Vergünstigungen nur erhalten sollten, wenn sie am 
Bitze eines Zollamtes lägen, und daß zwar Raffinerie von Roh 
zucker und Erzeugung von Rübenzucker von derselben Fabrik, jedoch 
nicht gleichzeitig, sondern der Kontrolle wegen in getrennten 
Perioden vorgenommen werden dürfe. 
Die Zuckerfrage sollte aber bald eine politische Bedeutung er 
langen. Ende 1835 war in Polland ein Dekret erschienen, durch 
das die Regierung, um der eigenen Landwirtschaft einen Gefallen 
zu tun, deutsches Getreide mit einem hohen Zolle belegte. Die 
Antwort des Zollvereins ließ nicht auf sich warten. Polland 
führte nämlich den Rhein herauf am meisten Zucker ein. Der 
raffinierte Zucker wurde pro Zentner mit 1t Talern, der Roh 
zucker mit 8 Talern, für Raffinerien sogar nur mit 5 Talern 
pro Zentner belastet. Dieser letztere Umstand ließ die Einfuhr 
von dem nicht raffinierten, dem sogenannten Lompenzucker stark 
emporgehen, weil die Kosten der Reinigung mit Zuschlag der 
Verbrauchssteuer immer noch nicht an jenen 11-Taler-Zoll heran 
reichten. Man traf nun gegen die polländische Ulaßregel die 
Retorsion, daß der 5atz für Lompen vom 1. Januar 1837 auf 
die gleiche pöhe wie für Raffinade gehoben wurde; dadurch ver 
setzte man freilich auch der heimischen Raffinierie einen schweren 
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