Full text : Der deutsche Zollverein

der  vierziger  Jahre  so  heiß  gekämpft  hatte,  erhielt  Hannover  ein
ganz  außerordentliches  Präzipuum:  nach  Feststellung  des  Ertrags
der  Zölle  und  der  Runkelrübensteuer  sollte  der  auf  Hannover  im
Verhältnis  zu  seiner  Bevölkerung  entfallende  Anteil  um  drei  Vierteile,
jedoch  was  den  Anteil  an  der  Eingangsabgabe  nebst  Rübensteuer
betreffe,  um  höchstens  20  Silbergroschen  in  einem  Jahre  für  jeden
Einwohner  vermehrt  werden.
So  berechtigt  diese  Vorwürfe  auch  waren,  so  muß  man  sich
anderseits  vergegenwärtigen,  daß  ohne  solcheZugeständniffe  derZutritt
des  Steuervereins  ausgeschlossen  erschien  —  ob  er  es  wirklich  bei
seiner  finanziellen  Lage  war,  ist  eine  andere  Frage;  vor  allem
aber  würde  bei  einer  vorzeitigen  Veröffentlichung  der  obschwebenden
Verhandlungen,  d.  h.  bei  einer  wie  bisher  geschehenen  Anfrage
bei  den  Bundesgliedern  infolge  des  damals  vorwiegenden  Einflusses
(Österreichs  in  Süddeutschland  und  Lachsen  nie  jene  Einstimmigkeit
erzielt  worden  sein,  die  nach  der  nun  einmal  giltigen  Verfassung
des  Bundes  notwendig  war.
wie  zu  erwarten,  setzte  nun  Österreich  seine  fjebet  an,  um  den
Zollverein  aus  den  Fugen  zu  bringen.  Ministerkonferenzen,  die  für
den  1>.  Zanuar  1852  nach  Wien  berufen  wurden,  sollten,  wie  man
der  (Öffentlichkeit  gegenüber  versicherte,  einen  Anschluß  Österreichs
oder  wenigstens  einen  Handelsvertrag  des  Zollvereins  mit  ihm  vorbereiten, ­
  insgeheim  aber  beriet  man  mit  Sachsen,  Bayern,  Württemberg, ­
  chessen  usw.  über  die  Begründung  eines  neuen  Vereins  unter  Gsterreichs
  Leitung  mit  Ausschluß  Preußens.  Es  blieb  natürlich  nicht  bei
dieser  einen  Konferenz,  sondern  in  Bamberg,  in  Darmstadt,  in  Stuttgart, ­
  in  München  wurden  Besprechungen  abgehalten;  der  vielgeschäftigte
  Beust  fuhr  wie  ein  Wiesel  bald  hierhin,  bald  dorthin;  als
Wien  unklugerweise  seine  Forderungen  überspannte,  auch  nach  Wien.
Darüber  entzweite  er  sich  mit  seinem  Kollegen,  dem  klugen  und  verständigen ­
  Minister  von  Friesen,  dessen  Mitteilungen  wir  die  Kennt*
nis  von  zwei,  den  bedeutenden  Staatsmann  Beust  gar  trefflich
charakterisierenden  Äußerungen  verdanken.  Anfang  August  1852
schrieb  Beust  an  Friesen  aus  Wien:  „wir  dürfen  nicht  nach-
            
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