Full text : Der deutsche Zollverein

geben;  wenn  Preußen  also  nicht  nachgibt,  so  muß  der  Zollverein
mit  Preußen  aufgelöst  und  ein  anderer  mit  Österreich  abgeschlossen
werden."  Und  dann  sprach  am  22.  September  1852  bei  einer
Sitzung  des  sächsischen  Gesamtministeriums,  die  über  die  Lage  abgehalten ­
  wurde,  der  große  Staatsmann  die  bedeutsame  Meinung
aus,  daß  der  Abschluß  des  Zollvereins  im  Jahre  1833  eine  unglückliche ­
  Maßregel,  ein  politischer  Fehler  gewesen  sei,  der  jetzt
nicht  wiederholt  werden  dürfe!  Daß  währenddem  eine  tiefe  Bewegung ­
  durch  die  geängstete  sächsische  Industrie  ging,  die  in  einer
Verbindung  mit  (Österreich  ihren  unbedingten  Ruin  voraussah,
störte  den  großen  Geist  ebensowenig,  wie  die  Warnungen  seines
Aollegen  Friesen.  Leider  ließ  sich  auch  Aönig  Friedrich  August  II.
von  den  weitausschauenden  Plänen  seines  Macchiavell  gefangen
nehmen  und  entließ  Friesen  am  3.  Oktober  1852,  nachdeni  eine
Audienz  des  letzteren  am  23.  September  zu  keinem  Resultate
geführt  hatte.
Und  der  Erfolg  des  ganzen  Spektakels?  Mit  ziemlicher
Gemütsruhe  hatte  Preußen  dem  Treiben  zugesehen,  hatte  seine
Türen  und  —  seine  Ohren  und  Augen  offen  gehalten,  ab  und
zu  die  Geheimnisse  der  Darmstädter  oder  Stuttgarter  Verhandlungen
publiziert,  überhaupt  durch  die  presse  gewirkt.  Von  Frankfurt  aus
besorgte  das  in  äußert  geschickter  Form  durch  die  ihm  zu  Gebote
stehenden  Zeitungen  für  Süddeutschland  der  neue  Bundestagsgesandte ­
  Preußens:  Otto  von  Bismarck.  Auch  nach
Frankreich  hatten  die  Gegner  Preußens  geschielt;  die  Berichte
Bismarcks  aus  Frankfurt  kommen  immer  wieder  auf  die  Rheinbundsgelüste ­
  der  Beust,  Dalwigk  und  Aonsorten  zurück.  Nun
machte  sich  nach  dem  Staatsstreiche  des  2.  Dezember  1851  Louis
Napoleon  genau  ein  Jahr  später  zum  Kaiser  —  da  galt  es
doch  für  Österreich,  sich  mit  Preußen  zu  verständigen;  und  ein
noch  Wichtigeres  kam  dazu:  die  orientalische  Frage  begann  wieder  auf
der  politischen  Szene  zu  erscheinen,  die  ja  Österreich  ganz  anders
interessierte,  als  Beust's  sächsische  GroßmachtsplMe.  Kurz,  ohne  sich
viel  um  die  werten  Biedermaier  der  Bamberger,  Darmstädter  rc.
            
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