Full text : Kapitalismus und Sozialismus

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liefern  sie  keine  brauchbare  Ernte  mehr.  Plötzlich  werden  wieder  viel
weniger  Kaffeebohnen  auf  den  Markt  gebracht  als  früher,  und  so  steigt
wieder  ihr  Preis,  und  die  Geschichte  kann  von  vorn  beginnen.  Uebrigens
habe  ich  dieses  Beispiel  nicht  erfunden-,  sondern  die  Sache  hat  sich  tatsächlich
oft  so  abgespielt."
II.

„Aber  gilt  denn  das,  was  du  da  von  den  Kaffeebäumen  erzählst,  nicht
ebenso  auch  für  Fabrikanlagen,  große  Maschinen  u.  s.  to.?"  fragte  Karl  nach
einigem  Nachdenken.  „Der  Bau  unserer  Fabrik  zum  Beispiel  und  die  Konstruktion ­
  der  Maschinen  würde  ein  paar  hübsche  Jahre  dauern.  Wenn  also
zum  Beispiel  der  Preis  all  der  Eisenwaren,  die  bei  uns  erzeugt  werden,  steigt
und  ein  Kapitalist  jetzt  eine  neue  Fabrik  errichten  will,  braucht  er,  wenn
er  die  Maschinen  fertig  kauft,  mindestens  ein  paar  Monate,  bis  er  Waren
liefern  kann,  und  unterdessen  können  die  Preise  sich  schon  längst  wieder
geändert  haben."
„Ganz  richtig,"  bestätigte  ich,  „aber  wenn  viele  Kapitalisten  das  zugleich
tun  wollen,  dann  können  sie  nicht  alle  die  Maschinen  fertig  kaufen,  dann
müssen  diese  erst  bestellt  und  gebaut  werden.  Das  kann  Jahre  dauern.  Man
muß  ja  auch  rechnen,  daß  bei  starker  Steigerung  des  Bedarfes  an  Maschinen
erst  der  Stahl,  aus  dem  sie  gebaut  werden  sollen,  bereitet  werden  muß.
Es  müssen  also  vielleicht  erst  Hochöfen  und  Stahlwerke  gebaut,  am  Ende
gar  neue  Bergwerke  angelegt  werden.  Darüber  werden  gewiß  Jahre  vergehen." ­

„Ja,  aber  können  da  nicht  ein  ganze  Menge  Kapitalisten  zugleich  solche
Werke  anlegen,"  meinte  Wilhelm,  „weil  sie  die  hohen  Preise  ausnützen
wollen?  Einer  weiß  nichts  vom  anderen,  alle  bauen  drauf  los.  Und  wenn
es  dann  dazu  kommt,  daß  einer  fertig  ist  und  feine  Waren  zum  Verkauf
bringt,  sind  die  anderen  auch  geradeso  weit,  und  dann  stehen  sie  alle  mit
langen  Gesichtern  da."
„Das  kann  nicht  nur  geschehen,"  bestätigte  ich,  „das  geschieht  tatsächlich ­
  oft  genug.  Nehmen  wir  als  Beispiel  den  Bau  einer  neuen  Eisenbahnlinie. ­
  Da  werden  Eisenbahnschienen  gebraucht  und  Schwellen,  aber  auch
neues  „rollendes  Material",  also  Wagen  und  Lokomotiven.  Für  die  Stationsgebäude ­
  werden  Ziegel  gebraucht,  für  die  Brücken  Eisenkonstruktionen.
Zugleich  werden  aber  eine  Menge  Arbeiter  in  die  Gegend  gezogen.  Die
brauchen  Kleider,  Lebensmittel  u.  s.  w.  Jetzt  fängt  unter  den  Kapitalisten
ein  Wettlauf  an.  Wer  zuerst  imstande  ist,  die  großen  Aufträge  auszuführen,
der  ist  im  Vorteil.  Hals  über  Kopf  wird  gearbeitet.  Hochöfen  werden  errichtet,
Walzwerke  angelegt,  Sägewerke,  Ziegelöfen  errichtet,  Bäckereien,  Fleischereien ­
  erweitert  u.  s.  f.  Handelt  es  sich  nur  um  eine  neue  Linie,  so  läßt  sich
vielleicht  noch  halbwegs  überblicken,  wieviel  gebraucht  werden  wird  und
welche  Vorbereitungen  zu  treffen  sind.  Aber  oft  treffen  viele  solche
Anlagen  in  einer  Zeit  zusammen,  und  dann  ist  es  fast  unmöglich,  Nachfrage
und  Angebot  zu  überblicken;  denn  unsere  ganze  Produktion  wird  ja  nicht
einheitlich  geleitet,  sondern  jeder  einzelne  Produzent  wird  nur  von  dem
Verlangen  getrieben,  möglichst  viel  Profit  zu  machen."
„Da  ist  es  aber  doch  gar  nicht  zu  vermeiden,  daß  manchmal  zu  viel
und  dann  wieder  zu  wenig  produziert  wird",  meinte  nun  Wilhelm  nachdenklich. ­
  „Solange  es  sich  um  Waren  handelte,  die  mit  geringem  Kapital,
mit  Handbetrieb  oder  mit  nur  wenigen  Maschinen  erzeugt  wurden,  da
konnten  die  Preise  ganz  gut  die  Erzeugung  regeln;  stiegen  die  Preise,  dann
            
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