Full text : Kapitalismus und Sozialismus

103

tourben  eben  sofort  mehr  Waren  dieser  Art  erzeugt,  großer  Vorbereitungen
bedurfte  es  dazu  nicht;  und  dann  sanken  die  Preise  wieder.  Sanken  sie
zu  stark,  so  wurde  d:e  Erzeugung  dieser  Waren  nicht  mehr  lohnend,  sie  wurde
eingeschränkt,  und  die  Preise  stiegen  wieder.  Aber  jetzt  liegt  doch  die  Sache
Tonnen  Jahre  vergehen,  bis  die  Fabriken  gebaut  sind  und
dre  Waren  erzeugt  und  verkauft  werden  können.  In  der  Zwischenzeit  weiß
keln?  ensch,  ob  die  Bauten  und  Maschinen,  die  da  errichtet  werden,  später
verkäufliche  Waren  erzeugen  werden  oder  etwas,  wonach  dann  gar  keine
oder  nur  mehr  eine  geringe  Nachfrage  sein  wird,  oder  ob  nicht  soundso  viele
Konkurrenten  zugleich  auch  solche  Werke  bauen  und  dadurch  die  Preise
drucken  werden."  1
„  "So,  aber  wie  ist  es  denn  dann  erst,  wenn  die  Preise  nachher  wirklich
unten.  fragte  Karl.  „Wenn  alle  diese  Bauten  und  Maschinen  dastehen,
kann  man  fte  doch  nicht  einfach  ruhen  lassen.  Da  stecken  doch  Dttllionen  drin.
Der  Schneider,  Schuhmacher  oder  Bäcker  entläßt  ein  paar  Gehilfen  und
schrankt  seinen  Betrieb  em.  Er  macht  dann  natürlich  weniger  Gewinn,  aber
™  T  E 1 . 0 «)  'einen  direkten  Schaden.  Aber  wenn  zum  Beispiel  in  unserem
Werke  die  Maschinen  stillstehen  müßten,  dann  wäre  das  ein  schöner  Schaden
für  die  Besitzer.  Die  Maschinen  werden  durch  das  Stillstehen  nicht  besser.
Vor  allem  aber  muß  das  Kapital,  das  in  ihnen  steckt,  verzinst  werden.
Woher  aber  die  Zinsen  nehmen,  wenn  nicht  gearbeitet  wird?  Was  geschieht
also  dann,  wenn  das  wirklich  eintritt,  was  du  uns  da  erzählt  hast,  wenn  zu
bl - e l e ,  N?^n  errichtet  worden  sind  und  jetzt  infolgedessen  ihre  Produkte
nicht  absetzen  können?"
„Dann  kommt  der  große  Krach,"  antwortete  ich,  „die  Krise.  Sobald
die  Preiw  anfangen  zu  sinken,  wird  jeder  einzelne  Fabrikant  erst  recht
darauf  aus  fern,  möglichst  viele  Aufträge  zu  ergattern,  denn  je  größer  die
Produktion  um  so  billiger,  und  um  so  niedrigere  Preise  kann  der  Fabrikant
daher  gewahren.
„Stber  da  jagen  sich  die  Fabrikanten  ja  selbst  nur  nach  schneller  ins
Verderben",  rief  Wilhelm  ganz  entsetzt.
,  „Freilich  tun  sie  das,"  erwiderte  ich,  „aber  das  ist  ja  nicht  das  erstemal,
daß  wir  bemerken,  wie  die  Kapitalisten  dadurch  ins  Verderben  rennen  daß
seder  den  anderen  zii  besiegen,  ihm  einen  Vorteil  abzujagen  sucht.  Und  so
sehen  wir  das  hier  wieder  bestätigt.  Natürlich  muß  dann  der  Krach  mit  um
io  größerer  Wucht  kommen.  Dann  können  die  Fabrikanten  auf  einmal  ihre
Rechnungen  nicht  mehr  zahlen,  sie  stellen  die  Zahlungen  ein,  die  Werke
stehen,  die  Arbeiter  werden  entlassen.  Natürlich  suchen  die  jetzt  anderswo
unterzmommen  und  drücken  dadurch  auch  die  Löhne  der  anderen  Arbeiter
Diese  können  daher  keine  neuen  Kleider,  Schuhe,  Wäsche,  Möbel  u.  s.  w.  anichaifen
  und  müssen  ihren  Bedarf  an  Lebensmitteln  soweit  wie  nur  irgend
möglich  einschränken.  Dadurch  werden  jetzt  die  Weber  die
Schneider,  die  Schuhmacher,  die  Näherinnen,  die  Tischler,  Bäcker,
Fleischer  u.ß  w.  weniger  beschäftigt,  auch  hier  werden  Arbeiter  entlassen,
viele  Fabnranten  können  ihren  Verbindlichkeiten  nicht  mehr  nachkommen
und  gehen  zugrunde.  So  tritt  eine  allgemeine  Stockung  ein.  Die  Fabrikanten,
  die  bisher  für  die  jetzt  verkrachten  Werke  geliefert  haben,  finden
für  ihre  Waren  keinen  Absatz  mehr,  und  zugleich  werden  ihre  früheren
Rechnungen  Nicht  bezahlt.  So  reißt  einer  den  anderen  mit,  Not  und  Jammer
werden  allgemein.  Am  schwersten  haben  natürlich  die  Arbeiter  zu  leiden.
Solange  die  Geschäfte  gut  gingen,  hatten  sie  oft  Ueberzeit  zu  arbeiten,  sie
mußten  sich  atemlos  schinden  und  plagen.  Jetzt  haben  sie  Zeit,  sich  auszu-
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.